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Blens bei Nideggen
Kalender-
und Standortanalyse
Zwischen Düren und Heimbach liegt im oberen Rurtale der Ort Blens, von dem angenommen wird, daß hier in der Nähe einst 1 ½ Legionen Cäsars von den Eburonen niedergemacht wurden. Das Flußtal ist bei Blens etwa 800 bis 1000 Meter breit; dies auf einer Strecke von 2,4 km. Es ist anzunehmen, daß hier zur Keltenzeit eine günstige Stelle zur Flußdurchquerung war und einige Taleinschnitte an beiden Seiten der Rur einen Zugang zum Rurtal ermöglichten. Demzufolge kann ein Durchzug der Römer von einem am Clemensstock bei Berg/Nideggen gelegenen Lager in Richtung der im heutigen Belgien gelegenen Lager durchaus an dieser Stelle stattgefunden haben.
Dort, wo sich bedeutende Handelswege an Flüssen kreuzen, siedelten sich bereits in der Steinzeit Menschen an. An Flüssen und Flußeinmündungen entstanden die wichtigsten Kulturzentren der Geschichte. An solchen Orten findet man auch in abgelegenen Gegenden Siedlungsspuren der Vorzeit.
Was sind Kalenderlinien?
Wie am Beispiel des Keltenrings Kreuzweingarten festgestellt wurde, finden sich im Umfeld von etwa 2 bis 4 km günstig gelegene Standorte, die zu bestimmten Zeiten genaue Sonnenbeobachtungen zulassen. Steht man an einem bestimmten Tag, z.B. am 15. Mai, auf dem Münsterberg bei Wachendorf, so sieht man genau über dem Ringwallmittelpunkt von Kreuzweingarten im Hardtwald die Sonne aufgehen. Verkünpft man mehrere solche Beobachtungshügel, die die Sonnenauf-, bzw. Untergänge, oder auch Mondauf- bzw. Untergänge ermöglichen, mit Linien, so erhält man ein stern- oder insektenförmiges Gebilde, welches man als vorzeitliches Kalendersystem bezeichnen kann. Diese Linien lassen sich als Kalenderlinien bezeichnen.

Bäuerliches
Kalendersystem bei Kreuzweingarten mit Kalendernebenlinien bei
Iversheim und Belgia Vicus.
Wie es sich rund um den Ringwall von Kreuzweingarten gezeigt hat, befinden sich an den Beobachtungsstandorten im Umkreis von 2 bis 4 km in einigen Fällen noch heute einige mittels Luftaufnahmen erkennbare Kreisanlagen (Münsterberg/Wachendorf, bei Ripsdorf, bei Weiler a.d.B., oberhalb von Billig) oder Umgrenzungsmauern einer rechteckigen Römerkultstätte oberhalb des Rabentals zwischen Wachendorf und Iversheim und bei Belgica Vicus.
Kalenderlinien lassen sich in engen Flußtälern kaum vermuten. Normalerweise sollte man auf den Höhen oberhalb der Rur nach Kalenderstandorten suchen. Bei Blenz jedoch findet man jedoch im sich verbreiternden Tale einige ebene Flächen, deren Verläufe und anliegende Wirtschaftswege auf Kalenderlinien liegen. Eine sehr seltene Konstellation in einem engen Flußtal, wie dies beispielsweise im engen Ahr- oder Moseltal bei höheren Bergen wohl kaum möglich ist.
Mehrere Straßen, Wirtschaftswege und Flurverläufe in und bei Blens liegen in ihrer Ausrichtung auf Kalenderlinien. Alle charakteristischen Kalenderlinien kommen bei Blens vor. Sie entstanden spätestens in der Germanenzeit, da jedoch auch Kalenderlinien auf den Mondwenden liegen, kann man von einer vorkeltischen Anlage ausgehen. Interessanterweise treffen sich die Linien (hier stark vereinfacht dargestellt) alle mitten in der Rur bzw. am östlichen Rurufer an einer angenommenen günstigen Stelle zur Rurdurchquerung.
Markant sind in Blens die Verläufe der Sankt-Georg-Straße (violett) und der Odenbachstraße auf Mondwenden (violett). In ihrem Schnittpunkt etwa auf der anderer Rurseite treffen sich beide Linien an einem gedachten ehemaligen Rurübergang. Der zur Ortsmitte gelegene Teil der Sankt-Georg-Straße verläuft als Samhainlinie (blau). Am Schnittpunkt beider Linien befindet sich die St.-Georgs-Kapelle Blens. Die Gartenstraße folgt der Martinstaglinie (grün). Nach Nordwesten zu von der Odenbachstraße aus gesehen verläuft hinter einem Bogen die Greenstraße folgend auf der Wintersonnenwendlinie.

Kalenderlinien
bei Blens. Google-Überfliegungsfoto vom 26. März 2009
Interessant ist die neben dem neuen Friedhof an der Odenbachstraße gelegene kleine Wiese, auf der sich mehrere Kalenderlinien (Grün, hellblau, violett) treffen. An solchen Punkten finden sich öfters Kultstätten (weiße fußmäßige Markierung links). Oftmals stehen hier Weg-Gabelungen, Heiligenhäuschen, Wegekreuze oder Bilderstöcke. Manchmal ist es auch eine Kirche oder Kapelle wie am Beispiel der St.-Georg-Kapelle am Treffpunkt der Mondwende- und Samhainlinie. Handelt sich um einfache Hügel oder diskusförmige Hügelkuppen, kann ein ehemaliger Standort eines Steinkreises, Menhirs oder Pfostens vorliegen. Kreisförmige Gräben oder Steinkreise lassen sich für Blens und das Flußtal im 2-km-Umkreis anhand der Google-Earth-Analyse nicht feststellen.
Das Kalendersystem in Blens weist folgende Besonderheiten auf:
Die Linien zu den Mondwenden deuten auf eine ältere vorkeltische Kultur hin.
Die Linien zum 15.5. (Sophientag = Ende des Frostes) und zum 11.11. (Martinstag) finden sich an Flurverläufen offensichtlich neueren Datums; möglicherweise also nicht relevant.
Durch das Vorhandensein der 1.11. Samhainlinie und 1.5. Beltainelinie kann darauf geschlossen werden, daß diese älteren Kalenderlinien zu Zeiten eines günstigeren Klimas (siehe englische Anlagen) angelegt wurden, noch bevor die 15.5. und 11.11.-Marken als bäuerliche Frostmelder eingeführt wurden.
Eine Untersuchung des weiß gefärbten Kultstättenbezirkes ist mittels Google-Earth nicht möglich. Aufgrund anderweitiger Untersuchungen an anderen Anlagen wird eine vorkeltische Anlage angenommen.
Ein ortskundiger Heimatforscher mit entsprechendem Kartenmaterial könnte anhand einiger dortiger Einzeichnungen weitere Fakten zur Belegung eines Kalendersystems finden.
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