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Vorzeitanalyse Bergheim-Glessen
Eine
Standbetrachtung mittels Google-Earth Auswertung von Betriebswirt
(grad.) Heinrich Klein Bergheim
Der Name Glessen
Oftmals sind dem heimatlichen Betrachter die Herkunft der Namen für Orte, Wege oder Fluren verborgen. Der Ursprung dieser Namen geht auf die ältere Besiedlung unserer Heimat zurück, die zur Zeit der Kelten und Germanen anzusetzen ist. Es seien einmal erwähnt die Orte Oberaußem, Niederaußem und Auenheim, die auf germanischen Bezeichnungen Ouwist, Ouwa zurückzuführen sind, welches schlicht und einfach Schaf bedeutet; also Oberschafheim, Niederschafheim und Schafheim heißen die drei nordwestlich von Glessen gelegenen aneinanderstoßenden Nachbarorte. (germ. = awi , ahd. = ouwi, mhd = ouwe). Ähnlich verhält es sich bei Euenheim, Euskirchen und Wißkirchen, die nichts weiter als Schafsheim und Schafskirchen bedeuten.
Bei den glessen-namensähnlichen Orten Blessem und Bliesheim geht man von belo = glänzend, Belisame = die sehr Glänzende aus. Bei Glessen finden sich viele germanische Bezeichnungen ebenso für glänzend:
glanta =
germ.? glänzend
Glantjan = germ. glänzen
glas-Dn,
glasUn = germ.? glänzen
gleitan = gleißen = germ./nhd.
glänzen, gleißen
gles = nhd. hell sein
(Quelle:
Köbler, Gerhard, Germanisches Wörterbuch, (3. Auflage)
2007)
Ehemalige Sumpflandschaft
Eine weitere Ableitung des Namens käme vom Glessener Bach, allerdings ähnlich wie bei Glesse, einem Zufluß der Weser, der man mit prähist. Endung ana, -ina, -na anhängt oder wie bei Besse oder Lesse, einen vorgerman, Fluss- oder Bachnamen denen man einen Sinn wie schmutziges-sumpfiges Wasser beimißt. (Bahlow. S. 178, Auszug bei Rhein. Mühlendokumentationszentrum, Historische Gesamtdokumentation der Mühlen am Pulheimer Bach von Dr. Ralf Kreiner). Wer das Broich und das weiterführende Glessener Bachtal südlich und westlich von Glessen erkundet, wird Zeuge einer einstigen feuchten Bachlandschaft, die sich in früheren Zeiten bei reichhaltigen Regengüssen mitunter als talbreites Sumpfgelände darbot.

Der
Glessener Bach etwa 200 m hinter dem Feuerwehrhaus verfügt über
zahlreiche kleinere Nebenbäche, die im Quellgebiet des
Naturschutzgebietes liegen.
Der zähe Brei aus Wasser, faustgroßen Gesteinsbrocken, Lehm und Löss war im Zuge des Tauwetters und der ergiebigen Niederschläge in der vergangenen Woche von der Glessener Höhe und den Ackerflächen oberhalb des Weges zu Tal geflossen. Auf dem Weg, der vom Glessener Feuerwehrhaus vorbei an Gut Neuhof zur Glessener Höhe hinauf führt, hat das durch Wasserkraft in Bewegung gebrachte Erdreich ausgespülte Rinnen und Schlammmassen von unglaublicher Tiefe hinterlassen, wie Engel berichtet. Im flacheren Teil des Weges haben sich die Wassermassen in einem breiten Schwemmfächer ausgebreitet, beschreibt Engel das Ungemach, das die Mure hinterlassen hat. Fachleute bezeichneten das Ereignis als schießend turbulenten Abfluss von Wassermassen, die oben auf dem Feld gestanden haben.
Ohne auf die Umstände um den Namen Glessen einzugehen hat also Dietmar Fratz ein Phänomen geschildert, welchem Glessen scheinbar seinen Namen bereits zur Kelten- oder Germanenzeit gegeben hat. So ähnlich als unwegsames Gelände, nach Regen von unzähligen Rinnsalen durchflossene Geröll-, Sumpf- und Lehmböden mag einst zur Besiedlungszeit das gesamte Glessener Tal oder Teile davon sich den Bewohnern dargeboten haben.

Weiter
talaufwärts liegen ehemalige Fischteiche. Auf beiden Abbildungen
sieht man ehemalige Dämme, die zu diesen Zwecken angelegt worden
sind.

Straßennamen
Ebenso wie die Ursprünge unserer Ortsnamen sind uns mitunter die alten Bezeichnungen für Wege- und Flurnamen nicht mehr bewußt. Weinbau in römischer Zeit ist allgemein bekannt; später unter den Germanen gab es sporadisch Weinbau und in wärmeren Geschichtsperioden dehnte sich der Weinbau bis in den Kölner Raum aus. Die Weinbergstraße in Glessen läßt darauf schließen, daß man direkt hier oder an den Südhängen zum Glessener Bach einst den Weinbau kannte. St. Pankratius heißt die Kirche Glessens und auch eine Pankratiusstraße gibt es. Anlaß zum Nachdenken über den Eisheiligen Pankratius (12. Mai), der zusammen mit Servatius und Bonifatius (13. und 14. Mai) zum bevorstehenden Sophientag am 15. Mai das Frostende ankündigt. Durchaus möglich, daß Glessen einst zentraler Kalenderort für die Umgegend war und das Signal für den Beginn der Feldarbeit von Glessener Kalendermachern kam. Heidenpfuhl und 'Am Pohl' deuten auf Markierpfosten; oder können auch eine Senke, gefüllt mit Wasser und Morast bedeuten; anderenorts auch als Entenpfuhl für Zwecke der Federviehhaltung bezeichnet. 'Am Steinweg', 'Auf dem Steinengarten' und 'Im Bruchfeldchen' deuten auf Feldsteine, Steinbruch oder Steinvorkommen. Möglicherweise erhielten einst jungsteinzeitliche Schäfer hier Schutz nahe des unweit fließenden Glessener Baches. Aufgrund der Bezeichnungen läßt sich eine germanische Besiedlung Glessens durch Franken oder Salier annehmen, die sich in der Nähe einer Steinkultstätte an der Pankratiusstraße niederließen.
Kalendermerkmale in Glessen
Wer mit dem Auto durch den Ort Glessen fährt und an der Hauptkreuzung 'Zum Gut Neuenhof' in die Brauweiler Straße einbiegt, stößt oben auf das Tor eines Vierkanthofes Hohe Straße 15 und fährt von dort rechts ab in die Hohe Straße. Einem Betrachter kommen sofort Erinnerungen an die Hohe Straße in Köln mit ihren zahlreichen Geschäften und der imposanten Geschichte Kölns. Nicht wesentlich anders sind die Eindrücke, die man von dieser Hohen Straße in Glessen gewinnt. So wie die Kölner bei Rheinhochwasser sicheren Schutz auf der Hochstraße geniessen konnten, bietet die Hohe Straße in Glessen etwa 4 m oberhalb des Tales Schutz vor einem anschwellenden Glessener Bach, der die Gärten und Wiesen auf einer Länge von 1200 m und einer Breite von 100 m überfluten konnte. Auch die Glessener Hohe Straße ist zum Zentrum des heutigen Geschäftstreibens geworden.

Im
Ausschnitt der historischen Katasterkarte sind die Fluren Glessens
auf einer Länge von etwa 1200 m mit blauer Farbe markiert, ein
Hinweis auf ein feuchtes Auel oder Broich. Wo sich heute stolz
Supermarkt, Bäckerei, Imbiß und Eiscafé
präsentieren lag unweit einst eine breite Furt durch den
Glessener Bach. (Kartenausschnitt entnommen bei bei Rhein.
Mühlendokumentationszentrum, Historische Gesamtdokumentation der
Mühlen am Pulheimer Bach von Dr. Ralf Kreiner)
Am Beispiel der historischen Karte läßt sich die Bebauung entlang der langen geraden hochwassersicher gelegenen Tangente 'Hohe Straße' erkennen. Die Ausrichtung dieser Straße liegt auf der Kalenderlinie zur Sommersonnenwende (Aufgang); d.h. vom unteren Ende aus betrachtet läßt sich der Sonnenaufgang über dem oberen Ende der Straße am 22.6. morgens beobachten. Sonnenaufgangsbetrachtungen an bestimmten Tagen gehörte zur Datumsbestimmung unserer Vorfahren.
In einer Google-Earth Auswertung ergeben sich neben diesem Linienverlauf weitere, die sich als Kalendergesamtsystem darstellen lassen.

Ausrichtung
Glessener Straßen und Fluren an Kalenderlinien - Original-Karte
aus: Google-Earth; Abruf 21.2.2011
Es bedeuten
rot = Sommersonnenwende 22.6.
grün = Sophientag 15.5.
gelb = 1.Maitag
blau = Wintersonnenwende
hellbau =
Martinstag 11.11.
violett = Mondwenden
Eine weitere Auswertung ergibt, daß die meisten Straßen und Grundstücksausrichtungen im alten Glessen kalendarisch ausgerichtet sind. Die Einzeichnungen in obiger Skizze wurden nicht vollständig vorgenommen. Es liegt insgesamt ein Liniennetzsystem vor, welches oberhalb des lebensspendenden Wassers des Glessener Baches am höher gelegenen Kamm der Hohen Straße liegt. Die neueren Ortsteile wurden nicht untersucht. Diese sind überwiegend nach Katastergesichtspunkten angelegt. Das Neubaugebiet 'Am Sommerhausfeld' liegt etwa in der Ausrichtung zum 17. Mai.
Wie auch am Beispiel von Gürzenich bei Düren ersichtlich, verfügte das alte Glessen über ein Liniennetzsystem basierend auf der Mondwendelinien, die die Sommersonnenwende etwa rechtwinklig kreuzen. Folgende Merkmale zeichnen Glessen aus:
Durch die etwa rechtwinklig der Sommersonnenwendlinie kreuzenden Mondwendelinien erreichten die damaligen Siedler eine relative gute Mond-Beleuchtung bei Nacht, welches damals durch die hell getünchten Fachwerkhäuser verstärkt wurde.
Durch den Wegeverlauf auf der blau dargestellten Wintersonnenwendlinie (Aufgang), die gleichzeitig Sonnenwendlinie (Untergang) ist, und die Sommersonnenwendlinie (Aufgang) können die wichtigsten solaren Ereignisse für Kalendermessungen dargestellt werden. (22.6./22.12.)
An der Pankratiusstraße verlaufen mehrere Kalenderlinien. Etwa in diesem Bereich könnte ein Kalendermittelpunkt, eine Kultstätte oder ein Steinkreis gewesen sein.
Der Rundhügel am Gut Neuhof, der einen Durchmesser von etwa 120 Meter aufweist, kann an dieser Stelle nicht analysiert werden. Würde man ihn als Kultstätte (Martinsfeuer, Sonnenwendfeuer, Galgenstätte, Gerichtsort) ansehen, stände er in Konjunktion zum angenommenen Kalenderstandort an der Pankratiusstraße. Er wäre Beobachtungsstandort für Mondwenden und würde die Gründung Glessens in eine Zeit vor den Germanen und Kelten setzen.

Östlich
von Gut Neuhof findet sich dieser im Südwesten Glessens gelegene
Hügel. Google-Earth Screenshut 22.2.2011

Der
Durchmesser beträgt ca. 120 Meter. Ob es sich um eine ehemaligen
Ruine, eine Grabstätte, ein Erdwerk, eine Kultstätte oder
einen Kalenderort handelt, ist dem Verfasser momentan nicht bekannt.

Sofern
es sich um eine vorzeitliche Anlage handelt, läßt sich ein
älteres Kalendersystem vermuten, welches zusammen mit einer
einstigen Anlage an der Pankratiusstaße zu sehen ist. Beide
liegen gleich hoch bei 108 müNN. Ähnliche Konjunktionen
finden sich bei Mondwenden, Sommersonnenwenden, Ausrichtungen zum 1.
Mai in der Eifel und wie unten dargestellt bei Stonehenge auf der
Sophienlinie.

Abb.
799 - Stonehenge, Sophienlinie bei 58,37 Grad
Zusammenfassung
Das alte Glessen, wie an den Beispielen dargestellt, ist kalendarisch ausgerichtet.

Einige Flurausrichtungen der Neuzeit weisen ebenfalls Kalendermerkmale auf, dürften jedoch zufällig sein.

Das
Hauptkalenderliniennetz-System von Glessen. Hier lassen sich alle
bäuerlichen und solaren Ereignisse neben den Mondwenden
darstellen.

Glessen beruht auf
historischem Ortskern (rote Markierung), der entlang der auf einer
Sonnenwendlinie verlaufenden Hohe Straße liegt. Fast
rechtwinklig zweigen auf der historischen Karte die Grundstücke
und Flurverläufe von hier ab. Unterhalb liegt der Glessener Bach
in einem langgestrecken Tal, welcher für Vieh und Menschen der
Siedlungszeit notwendig war. Nördlich befanden sich Felder und
Gärten und möglicherweise ein germanischer, keltischer oder
vorzeitlicher Kultstättenbereich in der Nähe der heutigen
Pankratiusstraße. Die schriftlichen Niederlegungen Glessens
reichen bis ins Jahr 1028 zurück. Die Anlage der Anwesen um die
Hohe Straße begann ab diesem Zeitpunkt an der kalendermäßig
verlaufenden Hauptstraße. Diese dürfte jedoch bereits von
Frühfranken oder Menschen der Bronzezeit angelegt worden sein,
die Siedlungen vielerorts entlang der Sommersonnenwend-Tangente
anlegten. Durch die Tallage am Glessener Bach wurde bei Unwetter und
im Winter Schutz geboten und sonnengünstige Hänge
ermöglichten Ackerbau.
Wie oben angedeutet und auch durch die neuen Ortsteile bestätigt, spielt die Ausrichtung auf den Mai-Monat in jüngster Zeit eine zunehmende Rolle. Der Mai gilt als Marien-Monat und die nach Eisheiligen (12.,13.,14.) dem Sophientag (15.) um den 17. und 18. Mai angesiedelten Linienverläufe deuten auf sommerliche Ausrichtung des neuen Glessens.
Die Lage der Kultstätten und Restzeugnisse

Auch nach umfangreicher
Suche konnten in Glessen nur wenige Zeugnisse vorzeitlicher
religiöser oder kultischer Herkunft festgestellt werden. Wie
oben beschrieben, sind die Punkte Pankratiusstraße P und
Standort für Mondbeobachtungen M kaum noch nachzuvollziehen. Mit
Ausnahme des kleinen Maueraltares A am Höhenweg, etwa Ecke
Sommerhaus liegen Wegekreuz W, Hausaltar H und Kirche K an den
wichtigen Kalenderlinien. An diesen Punkten dürften sich auch
schon zur Zeit nach der ersten Besiedelung Markiersteine oder
markante Bäume befunden.
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