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Hinweis auf Vorläufigkeit, Unvollständigkeit und Veraltung.

Bei dieser Veröffentlichung handelt es sich um eine vorläufige Edition, die nicht mehr zu Ende geführt wurde. Die Erforschungen am Wingardener Vorzeitkalender brachten laufend neue Erkenntnisse, sodaß die Editionen schon nach 2 Monaten veraltet oder falsch waren.

Aus zeitlichen Gründen bin ich wegen meines Berufslebens und anderer Interessen nicht in der Lage, mich mit der Thematik tiefer auseinanderzusetzen. Ich reihe die gemachten Erkenntnisse, die stark revidiert werden müssen (mußten), hier an. Sie wurden wurden hier an einem Wochenende während eines Urlaubs niedergeschrieben.

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Der Wingardener Vorzeitkalender

 

Von Heinrich Klein









Ein Kalenderwerk gigantischen Ausmaßes




Dokumentation zu den Recherchen am Vorzeitkalender bei Kreuzweingarten





Titelseite:
Skizze 1 – Kalenderwerk Grundprinzip
Skizze 2 – Visierlinien

 um:

 

Herausgeber: wingarden.de   
Editionen: Heinrich Klein
Grafiken und Layout: Heinrich Klein

 

 

Alle Rechte ausschließlich beim Verfasser





Die Idee eines vorzeitlichen Kalenders in Kreuzweingarten.

Während der Wingarden-Editionen zum Goloring bei Koblenz, dem man ähnliche astronomische Bedeutung zumisst, wie beispielsweise Stonehenge in England, fanden sich etwa 3 km weit entfernte Hügel, von denen die Sonnenaufgänge am Goloring an wichtigen astronomischen Tagen beobachtet werden konnten. Aufgrund ähnlicher Gegebenheiten wurde untersucht, ob die gleichen Betrachtungen auch für den Kreuzweingartener Ringwall zutreffen können.


Der Goloring bei Koblenz
Foto: Landesmedienzentrum Rheinland-Pfalz

In den folgenden Monaten beobachteten wir, Reiner Krause, Archivar des Schützenvereins, Hobbyfotograf und Historiker, Hubert Flink, der sich für Kultplätze und Brauchtum interessiert, Elisabeth Gäntgen, die eine umfangreiche Postkartensammlung und historische Bilder besitzt und Heinrich Klein, Digitalkamera, Editionen und Internet, die vermuteten Standorte unseres noch nicht bewiesenen Vorzeitkalenders in der Kreuzweingartener Umgebung und wir konnten schon bald einigen interessanten Spuren nachgehen.

Eine Fahrt nach Wachendorf 

Wer sich nach Wachendorf auf den Pohlenberg begibt, folgt einem alten Weg, den schon in den Zeiten vor den Kelten unsere Vorfahren gegangen sind. Von der kleinen Hügelkuppe blickt man den Weg entlang Richtung Hochkreuz Kreuzweingarten und vermag am Horizont, etwa 200 m rechts des Kreuzes den höchsten Punkt am Hardtberg erkennen. Dort befindet sich nicht nur der topografisch höchste Punkt, sondern auch der Mittelpunkt des Ringwalles. Und dies soll noch der Anlass zu weiteren Überlegungen geben.

Blick vom Münsterberg Wachendorf am 20. November 2004.

 

Nun wäre dies für einen Wachendorfer Vorkelten nichts besonderes, wenn nicht ausgerechnet nach Eisheiligen die Sonne genau an dieser Stelle aufgeht. Aber das Stück Feldweg vom Pohlenberg in Richtung Kalkarer Moor schlägt genau diese Richtung ein. Gewissermaßen wie eine Peillinie weist der Weg in Richtung Nord Ost, dem für die Vorzeit so bedeutsamen Kalendertag, dem 15. Mai. Wie auf einem Zeichenbrett genau festgelegt, verläuft der Wirtschaftsweg in der astronomisch bedeutsamen Richtung zum Mittelpunkt des Ringwalls. An dem Tag, den man den  Sophientag nennt, dem Tag nach den drei Eisheiligen, wusste schon der Mensch der Vorzeit, dass es von nun an nicht mehr frieren würde. Die Einsaat konnte also beginnen.

Am Münsterberg Wachendorf, etwa 3 Grad südlich gelegen, hat der Wirtschaftsweg ebenfalls eine Ausrichtung Richtung Hardtberg. Er lässt sich etwa 400 m gut verfolgen und ist auf obigem Bild dargestellt.


2 Münsterberge -
Kultplatz Münsterberg Wachendorf und Kultplatz Münsterberg Kreuzweingarten

Als wir eine Linie zwischen dem Mittelpunkt des Ringwalls und den beiden Wachendorfer Erhebungen auf einer Karte einzeichneten, stieg unser Interesse gewaltig, da diese Geraden genau über den Kreuzweingartener Münsterberg verliefen. Und genau auf dieser Linie befand in den 50er und 60er Jahren das Kreuzweingartener Martinsfeuer. Ein Zufall? Jedoch solche Zufälle sollten sich während den nächsten weiteren Untersuchungen noch öfters uns offenbaren. Wir beschlossen,  alle Daten über keltische, frühfränkische, kultische und astronomische Zusammenhänge zu beobachten. Uns begeisterte einfach, dass der Wachendorfer Kelte von seinem Münsterberg die Morgenglut des Martinsfeuers am Kreuzweingartener Münsterberg an dem gleichen Punkte verglimmen sah, wo am besagten Sophientag die Sonne die Feldarbeit einläutet. Wer noch etwas bäuerlich interessiert ist, weiß dass Martinstag der Tag ist, an dem „Zinstag“ ist, an dem auch die Feldarbeit als beendet gilt. Welch wunderbarer Brauch, den wir im Zusammenhang mit dem Wingardener Vorzeitkalender entdeckten. 


Am höchsten Punkt der Hardtbergkuppe befindet sich TP 270,7 am Ringwallmittelpunkt.

 

Die Visierlinie verläuft vom Münsterberg genau bei 55 Grad zum 4,3 km entfernten Zentrum des Ringwalls. Sie folgt der Richtung des Wirtschaftswegs oberhalb der Straße von Wachendorf nach Iversheim, überquert diese und führt noch weiter Richtung Münsterberg  Kreuzweingarten.

 

Nach diesen Erkenntnissen begannen also an den Standorten Pohlenberg und Münsterberg in Wachendorf die Untersuchungen, die den Wingardener Vorzeitkalender hoffentlich nachweisen sollen.  

 

Uns befielen bald eine Menge Fragen und wir mussten uns erst noch etwas Kenntnis aneignen und auf verschiedenen Gebieten umhören.

 


Die Visierlinien von Wachendorf

 

Nachdem uns also mehr oder weniger per Zufall die Ausrichtung der Wirtschaftswege vom Münsterberg und Pohlenberg in Richtung Ringwall auffiel, untersuchten wir, ob es südlich von Wachendorf noch weitere solcher markante Erhebungen gibt, von denen ebenfalls Flurgrenzen, Gewanne oder Wirtschaftswege in Richtung Ringwallmitte wegführten. Es offenbarten sich uns zunächst noch 2 weitere Stellen, die über die gleichen Attribute verfügten.  

 


Die gelb eingezeichneten Verläufe kennzeichnen Wirtschaftswege oder parallel laufende Hilfstangenten in Richtung Ringwall.

 

Wir kannten uns kaum in Astronomie aus, stellten jedoch fest, dass der Abstand der Visierlinien in etwa immer gleich war. Schließlich fanden wir 14 Verläufe von Wirtschaftswegen, die alle in Nähe der Höhenlinie 270 m verliefen.

 


Die eingetragenen Zahlen stellen die Azimutwerte von Blickrichtung Ringwall dar und stehen für die Sonnenuntergänge.

 

Sie entsprechen den Azimutwerten für die Standorte Wachendorf von 52, 57 und 62 Grad. Später legten wir für unsere Berechnungen genaues Kartenmaterial zugrunde und stellten fest, dass wir mit unseren ersten Skizzen im Prinzip schon richtig lagen.

 

Zu den von uns ermittelten Pohlenberg- und Münsterberglinien kam später noch die Rabentallinie.

 

Im Norden entdeckten wir im Naturschutzgebiet eine natürlich belassene Schneise in Form einer länglichen Wiese, deren Ausrichtung ebenfalls in Richtung Ringwall verlief.

 


Die von uns als „Schneise“ bezeichnete Wiese am Hundeplatz mit Visierrichtung Ringwall.

 

Diese Schneise vermittelte uns das Gefühl, uns vorübergehend mitten in der Vorzeit zu befinden. Von dieser Stelle aus beobachteten unsere Vorfahren vielleicht vor 2000 Jahren den Sonnenaufgang an einem bestimmten keltischen Festtag.

 

Noch einmal 3 Grad weiter nördlich bot sich die Südmauer des Wachendorfer Schlosses als weitere Hilfslinie an. Schließlich entdeckten wir noch den Schloßturm als Standort zur Beobachtung des Sonnenaufgangs für den 1. Mai 2006 um 6.06 Uhr.

 

 

 


Im erweiterten Liniensystem liegen Standorte, Kultplätze, Kalenderlinien und Hilfslinien wohl geordnet entlang der Höhenlinie 270 m ü NN.

Es bedeuten:
1 – Schneise 
2 – Pohlenberglinie
3 – Münsterberglinie 
4 – Rabentallinie.

 

Die als 5, 6 und 7 eingezeichneten Linien stellten sich später jedoch als nur teilweise richtig heraus. Sie spielen für die Azimutwertbetrachtung des Mondes noch eine Rolle. Die rot dargestellten Punkte liegen an heute im Naturschutzgebiet verlaufenden Wirtschaftswegen, die scheinbar keiner  Bodenreform oder Zusammenlegung zum Opfer fielen.



 

 

 

Koordinaten der Wachendorfer Standorte

                                                                                              Koordinaten

Ort                               Grad     m/NN    Entfernung/km               °   '    "              °    '      "

 

Ringwall                       0          270,7    0                                  6 47 48             50 36 39


Sonnenwende               51

Rabental                       52        287       3,989                           6 45 15             50 35 20

Münsterberg                 55        320       4,322                           6 44 48             50 35 22

Pohlenberg                   58        290       4,323                           6 44 50             50 25 27

Schneise                      61        260       3,872                           6 45 05             50 35 39

Schloßmauer                64

Schloßturm                  65

 

Azimutwertbestimmung am Münsterberg Wachendorf.

In den Verlängerungen der Visierlinien verlaufen die heutigen Wirtschaftswege. – Wichtig !!
Deutlich ist der Verlauf der Südmauer des Wachendorfer Schlosses zu sehen. Der Turm liegt noch einmal um ein Grad nach Norden.  

 

 

Markante Sonnenaufgänge 2006

 



1. Mai               65 ° Schloßturm
3. Mai               64 ° Schloßmauer
9. Mai               61 ° Schneise

16. Mai             58 ° Pohlenberg

25. Mai             55 ° Münsterberg

5. Juni              52°  Rabental

21. Juni            Sonnenwende 50° 17' 28"

Standort nicht bestimmt

8. Juli               52 ° Rabental

19. Juli             55 ° Münsterberg

27. Juli             58 ° Pohlenberg

3. August          61 ° Schneise

10. August        64 ° Schloßmauer

12. August        65 ° Schloßturm

21. Dezember   Sonnenwende 127° 56' 27"

Standort nicht bestimmt
(Stand 20.3.2005)

 


Visierlinie 61 Grad = Schneise Wachendorf;
Kartenausschnitt. Oben links das Schloß mit dem Verlauf der Südmauer.





 



Der Ringwallmittelpunkt

 

Der Nachweis eines Mittelpfostens oder Markierungsteines  innerhalb des Ringwalles im Hardtwald Kreuzweingarten bereitet das größte Problem für den Kalendernachweis. Es ist bekannt, dass der Ringwall etwa 100 vor Christus erbaut wurde. Bei ‚Der Ringwall’ von Pfarrer Nikola Reinartz heißt es:

 

„Prof. Dr. Lehner, der gleichfalls bezüglich der Zeit der Anlage 1922 noch Vorsicht geboten hielt, schrieb immerhin damals: „Es dürfte schon sicher sein, daß es sich um eine Anlage der letzten vorrömischen Periode, des letzten Jahrhunderts vor Christus handelt.“ Auf diese Zeit weisen allerdings auch die Grabfunde von Kalkar hin. Will man Namen haben, so hindert nichts, an das tapfere Volk der Eburonen zu denken, das damals die Nordeifel bewohnte. Diese waren es bekanntlich, die Caesar die größte Niederlage, die der Eroberer im Gallischen Kriege erfuhr, beibrachten. Anderthalb Legionen wurden vollständig aufgerieben und der Imperator schwor, nicht eher sich Bart und Haare schneiden zu lassen, bis die Schmach gesühnt sei. Mit dem Aufgebot seiner gesamten Streitmacht durchzog er 53 und nochmals 51 v. Chr. die Lande zwischen Maas und Rhein, alles mit Feuer und Schwert verwüstend, in der ausgesprochenen Absicht, das Eburonenvolk auszurotten und seinen Namen zu vertilgen. Es ist durchaus nicht unwahrscheinlich, daß damals auch der Ringwall von Kreuz-Weingarten in Flammen aufging.“  

 

Die folgende Zeichnung stammt aus: Aufsatz zum Ringwall „Alter Burgberg“ bei Kreuzweingarten von H. J. Joachim im Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern - Nordöstliches Eifelvorland - Euskirchen - Bad Münstereifel - Blankenheim - Teil 2: Exkursionen - Verlag Philipp von Zabern . 6500 Mainz / Rhein - Band 26 - herausgegeben vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum Main in Verbindung mit dem Nordwestdeutschen und dem West- und Süddeutschen Verband für Altertumsforschung – 1974.

 


Der Ringwall in seiner ovalen Ausdehnung
Zeichnung: Jahresbericht 1928.

 

Da es sich bei Kalenderanlagen jedoch in der Regel um kreisförmige Anlagen handelt, scheint der Ringwall auf den ersten Blick für den Mittelpunkt eines Vorzeitkalenders nicht geeignet zu sein. Das heißt, dass entweder der Ringwall einen Vorgänger hatte, der aus der Zeit von vor 100 v. Chr. stammt, oder der Kalender erst später z.B. zur Frühfrankenzeit errichtet wurde.

 

Diese Aussage ist jedoch unbefriedigend. Es hätte sich ein Pfostenloch oder Mittelpunkt einer Vorgängeranlage finden müssen, als man 1928 dort grub. Im Grabungsbericht des Provinzialmuseums Bonn Jahresbericht 1928 heißt es:

„Die Ausgrabung eines vorrömischen Ringwalles bei Weingarten, Kreis Euskirchen, über welche schon in den Jahresberichten für 1921, 1923 und 1926 gehandelt worden ist, wurde an zwei Stellen weitergefördert. Einmal wurde an der Nordostseite des Außenwalles und Grabens eine Torstelle gefunden und untersucht. Der Wall war dort unterbrochen und die Wallköpfe waren mit Holzverschalungen eingefaßt, deren Pfostenlöcher noch vorhanden waren. Zwei mächtige Pfosten von 52 bzw. 58 cm Durchmesser, die 2,55 m von einander entfernt standen, flankierten offenbar den Eingang. Eine Menge unregelmäßig stehender kleiner Pfosten in dem Zwischenraum rührten vermutlich von einer Verrammelung des Eingangs her. Der Graben lief zwar vor dem Eingang durch, war aber dort erheblich schmäler und seichter als sonst und muß überbrückt gewesen sein. Ein Pfostenloch in der Grabensohle kann von der Überbrückung herrühren.

Dann wurden an einer geeigneten Stelle lange Schnitte durch das Innere der Umwallung gemacht, um die Frage etwaiger Innenbauten zu beantworten. Etwa 60 m vom nördlichen Wall entfernt fand sich tatsächlich auf einer Strecke von 37 m Länge eine große Menge von Pfostenlöchern und Holzbautengräbchen, welche sich auch zum Teil schon zu rechteckigen Bauten zusammenfügen, ohne daß vorläufig bei der Schmalheit des diesmal zur Verfügung stehenden Geländes etwas Ganzes hätte erreicht werden können. Immerhin ist das Vorhandensein von Holzbauten im Innern des Ringwalles unzweifelhaft festgestellt. Die von den Museumsbeamten geleitete Ausgrabung wurde durch Zeichner Wieland vermessen. Vorarbeiter war J. Krämer.“

 

Am Ringwall muß ein Pfosten, Baum oder Markierstein gestanden haben.

Andernfalls wäre der Nachweis eines Vorzeitkalenders kaum möglich. Jedoch hatten wir einige Fotos von Überfliegungen bei anderer Gelegenheit gemacht, die uns noch aufschlussreiche Erkenntnisse geben sollten.



 


Originalskizze mit farbigen Einzeichnungen

 



Der Ringwall besteht an seiner Ostseite aus zwei halbkreisförmigen Wallverläufen, die in der Skizze zu einem gelben und zu einem blauen Kreis ergänzt wurden. Der gesuchte Mittelposten im Innern des äußeren Ringwalles wurde durch die von Nord-West zum Mittelpunkt reichende Grabung nicht gefunden. Die Skizze zeigt, dass es sich um eine Grabung zum vermuteten Pfostenloch etwa 2 Meter oberhalb des östlichen topografischen Mittelpunktes handelte.



Falscher Mittelpunkt gegraben?

Hätte man zum Mittelpunkt des inneren (blau gezeichneten) Walles gegraben, wäre man vielleicht etwa 4 Meter weiter westlich fündig geworden. Eine weitere Möglichkeit ist, dass man zu einem vermuteten Ringwallvorläufer (roter Kreis) hätte graben müssen, wie dies am Böschungsverlauf obiger Skizze, dargestellt durch die beiden Fragezeichen, erkennbar gewesen wäre. Der Mittelpunkt wäre dann noch einmal etwa 3 Meter in südlicher Richtung.

Diese ungenauen Darlegungen befriedigen uns auch heute noch nicht. Ebenso die nur grob beschriebenen Grabungsergebnisse. Die einzige Untermauerung unserer These eines anders gelegenen Ringwallmittelpunktes sind einige Luftaufnahmen, die einen kreisförmigen Vorgänger des jetzigen Ringwalles vermuten lassen.

Luftaufnahme 21. April 2002 - 14.34 Uhr: Anhand des Baumbewuchses zeigen sich Hinweise auf eine ehemalige Kreisanlage. An den beiden topografischen Punkten 270,70 m (weiß) und 272,50 m (rot) befinden sich Baumblüten.


2 Topografische Punkte

 

 







Die weitere Kalendererforschung

Ungeachtet des Nachweises eines Pfostens oder Ringwallmittelpunktes mussten wir uns zunächst damit begnügen, dass es sich beim Wingardener Vorzeitkalender um eine Anlage aus der Zeit vor 100 v. Chr. oder etwa um die Frühfrankenzeit 400 – 500 n. Chr. handeln könnte. Anhand der Standorte Wachendorf und der historischen Azimutwerte für  den Sonnenaufgang glaubten wir einmal, zum Stichtag Eisheiligen 15. Mai 600 v. Chr. den Pohlenberg als Beobachtungsstandort ermittelt zu haben; mussten jedoch feststellen, dass das eigens erworbene astronomische Berechnungsprogramm wegen der julianischen Kalenderdifferenz falsche Werte lieferte. Auch hier erhielt unsere anfängliche Begeisterung einen erheblichen Rückschlag.

Standorterforschung

Zur weiteren Kalendererforschung wurden die konkreten Azimutwerte von 2006 genommen und weitere Standorte ermittelt. Hier trafen wir auf sinnentsprechende Namensgebungen wie Engelberg und Lichtenberg die die wichtigsten Sonnenanzimuthwerte und Katzenknippchen und Katzenheck, die die Mondwendepunkte markieren.

Vereinfacht soll der Kalender anhand der Skizze erklärt werden. (Stand 20. März 2005)


Wingardener Vorzeitkalender in Grundform

 

Standort Ringwallmittelpunkt Kreuzweingarten 

Der Ringwallmittelpunkt neben dem TP 270m im östlichen Halbkreis liegt für Kalenderberechnungen günstig. Ein Pfostenloch wurde bislang noch nicht nachgewiesen. Es besteht die Möglichkeit, einen Mittelpunkt eines Vorgängerkreises noch zu finden.

Der Ringwall liegt auf der genauen Visierlinie Nordwest (Lichtenberg bei Billig) nach Südost (Watzenberg bei Kirchheim) und ist mit  beiden Erhebungen höhengleich.


Der Beweis? – Zeichnet sich hier ein Vorgängerkeis ab?

 

Standort Lichtenberg Billig

Von Billig aus führt an der Motte vorbei ein Wirtschaftsweg durch ein kleines Tälchen in Richtung Wachendorf und biegt oben in Richtung K 24 Billig Richtung Antweiler südöstlich ab. Hier beginnt der Lichtenberg, der sich sich für die Betrachtungen am Martinstag und 22. November eignet. Etwa 20 Meter vom nach Norden abzweigenden Wirtschaftsweg findet sich eine Baumgruppe und eine Sitzbank. Der Ort läßt eine ehemalige Kultstätte vermuten. Der Wirtschaftsweg scheint auf diesem Teilstück von der Flurbereinigung ausgenommen zu sein.

 

Watzenberg / Engelberg

An der Straße von Kirspenich nach Kirchheim kommt man an eine Kuppe, die in den 60er Jahren abgetragen wurde und an der einst eine Feldbahn zum nahegelegenen Kalkofen führte. Hier geht ein Wirtschaftsweg zum Zwerchberg, den man rechterhand liegen läßt und sich dem links liegenden Watzenberg (270 m ü NN) zuwendet. Der etwa im mittleren Abschnitt liegende Bergrücken trägt die Bezeichnung Engelberg. Er liegt, wie sich später herausstellte, an der Azimutlinie zum 24. Dezember.

Münsterberg / Pohlenberg

Am Münsterberg Wachendorf hatten die Ermittlungen auf Anhieb Erfolg. Ein zirka zweimal 200 m langer Wirtschaftsweg verläuft genau in Richtung Keltenring und überquert dabei die K 44 von Wachendorf nach Iversheim. Von hier aus läßt sich ein Azimutwert von 55 Grad ermitteln.  

Dabei trifft der Wirtschaftsweg unterhalb des Wachendorfer Münsterberges im Naturschutzgebiet auf die Höhe 270 m, ideal für Azimutwertmessungen zum ebenfalls 270 m hohen Ringwallmittelpunkt. Bei späteren Betrachtungen wurden mehrere prägnante Azimutwerte für bestimmte Standorte in der Umgebung des Münsterberges zu unterschiedlichen Kalenderdaten (auch der Vergangenheit) festgestellt.


Kleiner Exkurs – Vergleich

Im Allgemeinen sind Vorzeitanlagen kreisförmig und bilden eine einfache Schutzumwallung mit Graben, die zur Umhegung und Sicherung des Viehs dient.

 


Anlage bei Moogaun



 


Vorzeitanlage bei Avebury.

Man erkennt den Wall, den Graben und weiter innen gelegen einige kreisförmig aufgestellte Steine. Solche Markierungen dienten genau wie bei Stonehenge zur Festlegung bestimmter Sonnenstände.

Beim Goloring handelt es sich um eine Anlage mit 175 m Durchmesser innen und 190 m außen. Als Breite für den Ringwall wird 175 m genannt (Reinartz).

Beim jetzigen Stand der Kalenderforschung verschweigt der Ringwall mehr, als er erahnen lässt. Sein Ausbau zu Verteidigungszwecken ließ seine vermutete ursprüngliche Kalenderbestimmung vergessen. Der genaue Standort des Mittelpunktes mag jedoch nicht unbedingt relevant sein, da Abweichungen von einigen Metern auf eine Entfernung von etwa 4 Kilometern für einen frühgermanischen Bauern unerheblich gewesen sein dürften.






 



Wingardener Kultstätten unter astronomischem Gesichtspunkt

 


Die Herausholung des Kirmesknochens fand in den 50er Jahren am Eingang der ehemaligen Sandkaule am Flink-Haus statt. Unweit davon befand sich auch der Standort des damaligen Martinsfeuers. Abgesehen vom Brauchtum ist die Lage dieser Kultplätze vom Gesichtspunkt der germanischen oder keltischen Tradition interessant.

Auf alten Gemeindekarte von 1829 sind topografische Punkte vermerkt, die scheinbar mit den heutigen Vermessungspunkten nicht übereinstimmen. Es wird vermutet, daß durch die ehemalige Sandkaule ein damaliger Kultplatz wegfiel.


Ein Vergleich mit der alten Gemeindekarte zeigt, daß sich der TP seinerzeit in unmittelbarer Nähe Bereich der Sandkaule befunden hat. Die rote Einzeichnung zeigt in etwa die Lage der Sandkaule.

Diese Karte war bis zum 29. Juni 1960 gültig. Schon wegen der Einstellung des Sandkaulenbetriebes vor 1950 und wegen der Bebauung stimmen die Wege und Flurgrenzen kaum noch mit den heutigen Werten überein.

Als der Standort für das Martinsfeuer am heutigen Haus Flink wegfiel, wurde er vorübergehend in die Nähe des damaligen TP 10 verlegt. Dort begann freies Feld Richtung Gemeindegebiet von Arloff - Kirspenich.

Diese alte Gemeindekarte verfügt über nur ungenaue Maßstäbe. Sie zeigt zwar das Vorhandensein einiger heute nicht mehr bekannter Wege oder Zugänge, sie ist aber im Hinblick auf die Einzeichnung der Ortsteile und Wege ist in vielen Teilen falsch.

Anhand der Berechnungen zum Wingardener Vorzeitkalender wurde festgestellt, daß der Kultort Martinsfeuer 1955 auf dem Münsterberg Kreuzweingarten sich genau auf der 1. Mai Linie vom Wachendorfer Schloß befand; d. h. daß ein Betrachter auf dem Schloßturm den Sonnenaufgang am Morgen des 1. Mai über dem Ringwallmittelpunkt beobachten konnte.

Viele Bräuche gerieten in Vergessenheit. Man möchte sich an den Brauch des Osterfeuers erinnern, als die Germanen ihre Feuer in der Osternacht abbrannten. Sollte es einen solchen Brauch auch einmal in Weingarten gegeben haben, dürfte der Kultort Münsterberg durchaus hierfür der Standort gewesen sein. Darauf deutet alles hin.

Die hier eingezeichneten Wachendorfer Visierlinien stellen die Sonnenuntergänge zur Zeit der Wintersonnenwende vom Ringwall aus betrachtet dar.

Sie verlaufen über den Kreuzweingartener Münsterberg und kennzeichnen umgekehrt für den Monat Mai die Sonnenaufgangslinien, hier abgebildet 52 und 62 Grad.

Eine Betrachtung der Standorte ehemaliger Kultstätten mag vom heimatlichen Gesichtspunkt interessant und logisch sein und wäre von der Mythologie erklärbar. Ein astronomischer Zusammenhang mit den Kultorten Martinsfeuer, Osterfeuer und Kirmesknochen kann nicht ausgeschlossen, jedoch nicht nachgewiesen werden.



 

Kultstätte Kirmesknochen

Artikel Kölnische Rundschau vom Mai 1955


Bild: Der Kirmesknochen ist gefunden - Das Fest kann beginnen. (R)-Foto: Elbem

Eine hartgesottene Kirmes

Mit Ach und Krach und viel gutem Zureden ließ sie sich drei Tage abringen.

Kreuzweingarten. Es herrschte vorsonntägliche Stimmung im Dorf. Die Arbeit der Woche ist getan, nur Mutter in der Küche wirkt und werkt noch, daß zur Kirmes nur ja alles bis zum I-Tüpfelchen geregelt ist. Eine Schießbude in der Dormitte zeigt, daß das Dorf sich zur Kirchweih rüstet. Aus dem Saal des alten Brauhauses erklingt "Klöppelchesmusik". Endlich kreuzt auch der Fähnrich mit der zusammngerollten Fahne auf. Ein dumpfes Wummern des Kalbfelles, ein paar verlorene Töne auf der Trompete, dann übertönt das "Nängeln" der Glocken vom hohen Turm jedes andere Geräusch. Ein paar Männer aus dem Dorf beiern die Kirmes ein.

Kaum sind die letzten Töne verhallt, setzt die Musik ein. Um die Ecke marschieren die Vereinsangehörigen mit ihren Fahnen, halten vor dem Haus des Gemeindebürgermeisters. Die beiden Fähnriche lassen ihm zu Ehren ihre Fahnen zur altbekannten Weise der vier Euskirchener Musikanten kreisen. Ein herzliches Dankeschön und eine "flüssige Belohnung" im Hofe des 300jährigen Hauses, und der Zug wendet sich der Wohnung des Sportvereinsvorsitzenden und später der Maikönigin zu, um dort die gleiche Ovation zu wiederholen.

Mittlerweile hat sich viel junges Volk angesammelt. Mit frohen Klängen führt die Musikkapelle sie zum Dorf hinaus auf Arloff zu, biegt aber am Münsterberg rechts in einen Feldweg ab. Die Musik setzt zum Tusch an. Sonst Stille ringsum. Gespenstisch leuchten glimmende Zigaretten in der Dunkelheit.

"Kirmes, wo bist du?"

ruft's plötzlich aus der Mitte der Menge. Stille, keine Antwort. Nochmals der Ruf. Wieder nichts. Endlich, beim drittenmal krächzt es aus dem Gebüsch. "Was woll ihr?" Beifall und Gelächter. "Wir wollen ein ganzes Jahr Kirmes!" - "Gar nichts kriegt ihr, macht, daß ihr nach Hause kommt! Voriges Jahr habt ihr mich nicht einmal richtig begraben. Regnen muß es auch erst, bevor ihr Kirmes kriegt! Schert euch fort!"

Enttäuschung, Protest. Lange Verhandlungen hin und her. Der Sprecher des Dorfes, will sich zunächst mit einem halben Jahr, und als auch das nichts fruchtet, mit einem Monat, mit acht Tagen und schließlich

mit drei Tagen zufrieden

geben. Die Kirmers aber ist hartgesotten. Bis 12 Uhr am Samstag soll das Dorf feiern können, dann müsse Schluß sein.

Schließlich werden die Burschen rabiat. "Kirmes, wenn du nicht gewährst, was wir wollen, fragen wir dich überhaupt nicht mehr!" Wie zum Beweis haben währenddessen andere Burschen in der Böschung angefangen zu graben. In nicht allzu großer Tiefe stoßen sie auf den

Kirmesknochen.

Mit Halloh wird er vorgezeigt, und da läßt sich auch die Kirmes im Hang erweichen. "Also bis Dienstagnacht und dann ein anständiges Begräbnis für mich!" Die Burschen haben, was sie wollen, einen Tusch für die Kirmes. Die aber ist immer noch nicht zufrieden: "Erst müßt ihr mir noch eins singen! Ein Lied, zwei drei! Mein Lieblingslied!" Die Burschen am Weg kennen's, scheint es, denn sie setzen sofort ein, erst zaghaft, dann mit dem vollen Chor und mit Musik: "Unrasiert und fern der Heimat!"

Nun wendet sich die ganze frohe Gesellschaft dorfwärts. Eingehakt und schön rechts, damit der Verkehr auf der Bundesstraße nicht behindert wird, maschieren sie ins Dorf zurück. Im alten Brauhaus-Saal ist viel Platz: zum Sitzen, zum Feiern - und zum Tanzen. Aber die Kirmes hat's gesagt, um 11 Uhr ist Schluß! Und an das Abkommen hält man sich. Drei Tage genügen ja auch schließlich.

Während die festfreudigen Kreuzweingartener in der nächtlichen Dunkelheit ihrer Behausung zustreben, leuchtet hoch oben vom Berg das Wahrzeichen des Dorfes im milden Schein. Strahlend verkündet es weiterhin, daß über aller Festesfreude nicht vergessen werden soll, daß die Kirmes ein kirchlicher Gedenktag an den Tag der Kirchweihe ist.

Sammlung Reiner Krause 

 Menhir von Prüm

ETYMOLOGISCH

worte in wirrem geäst
steinewebend
bis jemand
der noch den wind
kennt
die inkarnation belauscht
und das Steinwort
pflückt

Helmut Schmelmer
Aus Heimatjahrbuch 1975, Landkreis Daun

 

 

 

 

 

Uralte Kalenderdaten – Neu in Erinnerung gerufen

Neben den germanisch-keltischen Feiertagen, die von der Kirche christianisiert wurden, finden sich Feiertage, die für die damaligen Jahreszeiten im vorzeitlichen Kalender bedeutend waren. Sie hingen meistens mit den Brauchtümern zusammen und leben in den christlichen Feiertagen fort. Wenn zu Weihnachten die Sonne mehrere Tage hintereinander an den gleichen Orten aufging und ebenso ihr Untergang an einem gleichen anderen Ort geschah, trat so etwas wie Stillstand der Natur an diesen längsten Tagen des Jahres ein.

1. Mai - Maitag - In der Nacht zum 1. Mai feierten die Kelten Beltaine, das Feuerfest oder auch Fest des Feuers, der Blumen und des Maibaums. In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai ging man zu den Kultplätzen und entzündete ein Feuer. Jungendliche trafen sich zum Stelldichein. Auch als Walpurgisnacht bekannt gilt der 30. April des Jahres. Mit dem Aufstellen des Maibaums vereinigen sich Gott und Göttin um den Akt der Schöpfung zu vollziehen. Für die Menschen der Frühzeit stand nun fest, der Winter ist endgültig vorbei und die Einsaat konnte beginnen. Auch für den Viehtrieb in höher gelegenen Gebieten galt der 1. Mai als Stichtag. Mit der Verbrennung von Strohpuppen und Läuten von Kuhglocken sollen Hexen vertrieben werden. Auch galten Kreuzmarkierungen an Futtertrögen und Stalltüren als heidnisches Vertreibungsritual.

15. Mai - Nach den Eisheiligen (12. Sankratius, 13. Servatius und 14. Bonifatius) erfolgt der Sophientag. Die Hl. Sophie wird in Süddeutschland zu den Eisheiligen gezählt. Sie gilt als Patronin gegen Spätfrost und für das Wachsen der Feldfrüchte; in Norddeutschland gilt Mamartus am 11. Mai als 4. Eisheiliger. Der Tag an dem die Einsaat beginnen kann. Nach uralten Bauernregeln soll ab diesem Tag kein Frost mehr folgen. Das Vieh kann auf die Weide getrieben, Gemüse kann gepflanzt werden. Aus Weinanbaugebieten ist bekannt, daß zum Abwehr der Kälte Feuer aus Laub und Geäst entzündet wurde. Ausgehend vom gregorianischen Kalender kann man annehmen, daß der ältere julianische Kalender die Eisheiligen für die letzten 1000 Jahre zu früh und die Zeit vor Christus zu spät anzeigt. Demzufolge würde im 16. Jahrhundert der 1. Mai und im Jahre 2000 v. Chr. der 25. Mai den letzten Frosttag bringen.

14. August - Auf Maria Himmelfahrt feierte man kirchlicherseits die Aufnahme von Maria in den Himmel. Ein überlieferter Brauch ist der Krautwisch, den man in Stall, Scheune und Wohnhaus außen und innen hängt.

11. November - Auf Martinstag wird das Ende des bäuerlichen Wirtschaftsjahres gefeiert. Er gilt als Zinstag, an dem die Landbevölkerung ihrem Gutsherrn die Pacht entrichten mußte.

2. Februar - Maria Lichtmeß

In der Betrachtung des Mondauf- und Untergangs scheinen bestimmte Ortsnamen im Zusammenhang mit den Mondwenden zu stehen. Katzenkneppchen und Katzenheck waren die Standorte, an denen man Mondwenden beobachten konnte.

Alles alte Kalenderdaten und Kalenderorte, die den Menschen heute nicht mehr geläufig sind.


Die ersten Versuche, den Kalender zu datieren, scheiterten

Zu Beginn der Kalenderforschung wurde zunächst von folgenden Überlegungen ausgegangen:

Die Haupttangenten in Wachendorf sind die bisher ermittelten 11 bzw. 13 Wirtschaftswege am Münsterberg Wachendorf, die auf den Ringwall ausgerichtet sind und an den jeweiligen keltischen Kalendertagen ihre Bedeutung haben. Aus Gründen der Vereinfachung sind in der Skizze nur die wichtigsten Linien dargestellt. Am Münsterberg Wachendorf selbst zeigt der Kalender für das Jahr 2000 den 15. Mai, den Sophientag, an. In der erweiterten Tabelle gilt der Wert von 58 Grad sowohl für das Jahr 500 v. Chr., als auch für 2000 v. Chr. für den Sonnenaufgang.

 Weiterhin deuten die Peilungen 52, 55, 58 und 61 Grad (retrograd 232, 235, 238 und 242) von und zu den einzelnen Standorten darauf hin, daß sie sogar für das Jahr 700 bis 800 v. Chr. Gültigkeit haben. Von der Höhe Billig sind ebenfalls Aussagen zum Martinstag im Jahre 500 v. Chr. zu machen. Infolge der Ungenauigkeiten des Julianischen Kalenders gehen die Werte für Berechnungen für die Vergangenheit am Pohlenberg allerdings derart weit von den Kalenderlinien weg, so daß man Verschiebungen des Sophientages bis zum 3. Juni für das Jahr 2000 v. Chr. annehmen kann, welches natürlich unsinnig ist. Dieses führte zu einigen Unstimmigkeiten, konnte später aber auch durch die entdeckten Kalenderhilfslinien nicht korrigiert werden.

Da obige Karte war ein erster Arbeitsentwurf und weist Abweichungen um 1 Grad auf, zumal sich leichte Unterschiede zur topografischen Karte ergeben. Der Hinweis eines historischen Grabens, -Einschnittes oder -Walles zur Errichtung einer Visierlinie, wie beim Goloring in der Nähe von Koblenz, ergibt sich an der als Schneise bei 61 Grad benannten Wiese. Laut Azimutwertgenerator läßt sich hier eine Visierlinie für die Jahr um 500 v. Chr. annehmen. Somit wäre ein erster Anhaltspunkt für eine Datierung des Ringwallvorgängers auf die Zeit um dieses Jahr gegeben. Angesichts der julianischen Kalenderdifferenzen sind allerdings erhebliche Früherdatierungen möglich, die bis 1500 v. Chr. gehen.

Die Heranziehung einer topografischen Karte ließ genaue 3-Grad-Abstände erkennen.

In der nächsten genaueren Darstellung auf einer genauen topografischen Karte zeichnen sich die Hauptvisierlinien relativ gleichmäßig nebeneinander liegen im einem durchdachten System ab. Aus Anschauungsgründen wurden die roten Hilfslinien oftmals neben die Wirtschaftswege gesetzt. Dadurch werden die genauen 3-Grad-Abstände hier nicht immer genau sichtbar. Wegen der inmitten der Berechnungskoordinaten gelegenen natürlichen Erhebungen im Naturschutzgebiet ist der Hardtberg nicht von allen Standorten aus zu sehen.






In der zweiten Grafik sind die Verläufe der heute gültigen Wirtschaftswege in grün dargestellt. Vom Hauptwirtschaftsweg zweigen Gewanne ab, die im Berechnungssystem Azimutwerte von 40 bis 45 Grad aufweisen und als Zwischendatierungslinien angesehen werden können. Mit ihrer Hilfe lassen sich Kalenderzwischenrechnungen vornehmen. Eigentlich schon eine Mathematik, die vielleicht eher ab dem 15. Jahrhundert bekannt war.

Hier gerieten die Überlegungen des Vorzeitkalenders erheblich ins Wanken. Die unsinnigen julianischen Werte brachten die Projektstudie Vorzeitkalender Wingarden nicht weiter. Das erworbene Astronomie-Computerprogramm war nicht geeignet, Azimutwertberechnungen für die Vergangenheit zu liefern, um von den entsprechenden Standorten zu den einzelnen Frühperioden extrapolieren zu können.

Zur Tabelle:

Anhand der Tabelle der nächsten Seite ergeben sich also folgende Aussagen: Durch die julianischen Werte ergeben sich skurrile Werte. Der Tag nach Eisheiligen ist nach alten Regeln der 15. Mai des Jahres, der Sophientag. Dieser Wert steht für den Pohlenberg laut julianischem Kalender etwa bei 300 n.Chr. Berücksichtigt man eine Kalenderkorrektur von 7 oder 9 Tagen (roter senkrechter Balken), so würde diese Tabelle Aufschluß geben, für einen Sonnenaufgang über dem Ringwall vom Standort Pohlenberg am 15. Mai des Jahres für die Jahre um 600 v. Chr. Ebenso für einen Sonnenaufgang über dem Ringwall vom Standort Münsterberg für die Jahre um 400 n. Chr. Letztendlich lässt sich noch ein Wert für den 15. Mai des Jahres um 1600 v. Chr. vom Standort Schneise Wachendorf ermitteln und etwa für den 15. Mai 3000 v. Chr. vom Standort Schloßturm Wachendorf. Die ganze Methode und die julianisch unsinnigen Werte sind jedoch mehr als fraglich und die Untersuchungen wurden diesbezüglich nicht mehr weitergeführt. 





Sonnenaufgänge am Wingardener Vorzeitkalender – Standorte Wachendorf: a) Schneise, b) Pohlenberg, c) Münsterberg, d) Rabental

Gesamtumfang des Vorzeitkalenders am Beispiel der Sonnenberechnungen

 



Kalenderberechnungen für 2006

Ungeachtet der gregorianischen oder julianischen Kalenderwerte sollen im Folgenden die Azimutwerte für den Wingardener Vorzeitkalender für das 2006 ermittelt werden.

Zu diesem Zwecke wurden die astronomischen Werte für Sonnenauf- und Untergang, sowie für die Mondauf- und Untergänge in eine topografische Karte übertragen, die ähnlich der Anschauungsskizze (Sonne) eine etwa 6 mal 4 km große Spinne ergab.

 Die Einbeziehung des Dachsenberges in den Vorzeitkalender wurde wieder verworfen.

Es bedurfte einiger Untersuchungen, bis die endgültigen Standorte für die einzelnen Betrachtungen der Azimutwerte feststanden. Zu diesem Zwecke wurden mehrere Plätze bei Kirchheim, Billig und Wachendorf aufgesucht.


Experimentierskizze

Auch weiter entfernte Punkte, wie der Herkelstein, Stockert und Hardtberg bei Weiler am Berge kamen als mögliche Standorte in Frage. Sie liegen zwar an den betreffenden Koordinaten, die für einen Kalender in Frage kämen, sind jedoch überwiegend ungeeignet, genau wie der Dachsenberg, da einige dazwischen liegende Hügel und Hügelketten die freie Sicht nicht zulassen.

(Die Vergrößerung findet sich auf der Vorseite)


Erster brauchbarer Entwurf.

Die eingezeichneten Linien führen über Erhebungen oder Flurbezeichnungen, die in topografischen Karten zu finden sind. Sie entsprechen auch den bei Kelten und Römern gebräuchlichen Winkeln der Landvermessung. Die Gradangaben stimmen nur teilweise. Während sie bei Wachendorf (unten links) und Billig (oben links) richtig markiert wurden, gelten sie für Kirchheim Mitte rechts) nur retrograd, d.h. für den Kirchheimer Betrachter sind sie nicht geeignet, sondern die dort stehenden Werte gelten für die Betrachtung vom Ringwall aus.


Kultplätze bei Billig

Im Gegensatz zu den Wachendorfer astronomischen Standorten sind die Billiger Standorte nicht mehr erhalten. Anhand der heute gültigen topografischen Karte ergeben sich allerdings deutliche Hinweise.


Die Kultplätze Billig sind auf heutigen Karten nicht mehr zu festzustellen, da Landzusammenlegungen und Bodenreformen stattgefunden haben. Auf einer historischen Karte von 1860 wurden deshalb die Azimutwerte für Sonnenaufgänge zwischen Martinstaglinie (Lichtenberg) und großer Mondwende Nord (Katzenheck) eingetragen.

Die an den Lichtenberg angrenzende Kreuzweingartener Flurbezeichnung lautet „Siebenmorgen“.


Die Einzeichnung der Feldwege aus der historischen Karte in die heutige Karte zeigt die Lage der ehemaligen kleinen Felder und Gärten. Sie bilden ein unregelmäßiges System. Einige dieser Gewanne und Wege besitzt eine Ausrichtung in Richtung Ringwall. Ihre Werte stimmen an einigen Stellen mit den Visierlinien überein, die die Azimutwerte für bestimmte Kalenderdaten markieren.

Die Flurbezeichnung heißt Katzenheck und entspricht damit von der Namensgebung her der Flurbezeichnung für die große Mondwende Süd, dem Katzenknippchen zwischen Kalkar und dem Naturschutzgebiet südlichöstlich von Wachendorf. Die unterhalb Richtung Kreuzweingarten liegende Flur heißt „Auf der Bitze“. Eine Untersuchung verschiedener Karten ergab hier und auch auf dem „Sieben Morgen“ keine markanten Ausrichtungen von Fluren, Gewannen oder Feldwegen.


Eine Auswertung der Tranchotkarte erbrachte keine wesentlichen Erkenntnisse. Da die Karte relativ ungenau und undetailliert an dieser Stelle ist, läßt sich lediglich eine eingezeichnete Feldkreuzung und Grenzen zur Markierung als Garten bzw. als Kult- oder Beobachtungsstandort vermuten.

Er könnte dem heutigen Verlauf des Feldweges entsprechen der vom Hundeplatz in Richtung Norden in den Wirtschaftsweg Richtung Billig einschwenkt. In ungefährer Verlängerung dieser Nordausrichtung führt hinter der Kurve ein weiterer Weg vorbei an einer Bank und Baumgruppe, die auf einen Kultplatz, ehemaliges Wegekreuz oder Bilderstock hindeutet.



Ehemaliger Kultort Katzenheck

Die Katzenheck in der Vergrößerung. In einem System von kleineren Parzellen finden sich mehrere kleine Feldwege sowie Gewanne in Südwestausrichtung. An vergleichbaren Stellen im Rheinland befanden sich früher an solchen Orten soziale Treffpunkte, an denen sich die Menschen ihre Freizeit gönnten, bzw. man traf sich an nebeneinanderliegenden Kleingärten.

Von hier zur heutigen Billiger Kapelle sind es etwa 300 m. Hier soll es übrigens noch um 1850 Findlinge gegeben haben. Ein Hinweis auf das ehemalige Vorhandensein von Markiersteinen? Der unweit damals befindliche Kaiserstein bei Belgica Vicus mag dereinst ein Menhir vorzeitlicher Herkunft gewesen sein.

Die Flur „Katzenheck“ liegt für die Azimutwertbetrachtung des Mondunterganges vom Kreuzweingartener Ringwallmittelpunkt aus auf der Linie zur großen Mondwende Nord und liegt bei etwa 317 und 318 Grad. Für die Azimutwertbetrachtung des Mondaufganges blickt man von der Katzenheck bei Position 138 oder 139 Grad in Richtung Ringwall. Alle 4 Visierlinien berühren den in der Abbildung 4 hell unterlegten Kreis. Mögliche Standorte - in der Regel sind es in Visierrichtung ausgerichtete Feldwege oder Gewanne - sind in der unteren Karte grün eingezeichnet.


Die historische Kartenvorlage ist relativ ungenau, liegt jedoch anhand der Überprüfungen an den Koordinaten der errechneten Azimutwerte.

An den rot eingezeichneten Punkten befinden sich Standorte für Azimutwertbetrachtungen der Sonne. Sie liegen hier für die Sonnenaufgänge zwischen etwa 109 Grad am 27. Oktober (links unten) und 127 Grad 54 Minuten und 37 Sekunden am 22. Dezember 2006. Die Ausrichtung der Flurgrenzen, Feldwege und Gewanne ist ebenfalls an besagten Stellen in Visierrichtung Ringwall.

Die festgestellten Werte beziehen sich ebenfalls auf die Sonnenaufgänge vom 28. Oktober bis 25. Dezember (von rot unten links bis oben rechts), sowie 17. Januar bis 14. Februar in umgekehrter Reihenfolge.

Inwieweit die Billiger Standorte für die Azimutwerte vom Ringwall aus in Frage kommen, kann nur vermutet werden. Sonnenuntergänge sind zwischen 290 und 309 Grad, 42 Minuten, 34 Sekunden (Sommersonnenwende 21. Juni 2006).

Es sind mehrere Standorte durch Feldwege, Gewanne oder Flurgrenzen sowohl in historischen als auch in aktuellen Karten lokalisiert worden. Dadurch kann auf eine Betrachtung unter Berücksichtigung von Markiersteinen oder Pfosten verzichtet werden. Der Vorzeitkalender Wingarden kann von den Kultplätzen Lichtenberg und Katzenheck bei Euskirchen-Billig weitgehend nachvollzogen werden.

Die Dimensionen des Vorzeitkalenders

Der Vorzeitkalender erstreckt sich zwischen den Orten Wachendorf im Südwesten, Billig im Norden und Kirchheim im Südosten. In der Mitte zwischen Billig und Kirchheim befindet sich auf der Sichtachse der Ringwall Kreuzweingarten.

Prägnante Flurnamen und Erhebungen entlang der Höhenlinie 270 m kennzeichnen den Kalender und ließen ihn erst dadurch als solcher erkennen. Anhand der Azimutwertbetrachtungen für Sonnen- und Mondauf- und Untergängen wurde festgestellt, daß alle diese markanten Orte an wichtigen Kalenderdaten liegen und die Sonnen- und Mondwenden kennzeichnen.

 

Betrachtung der Wachendorfer Standorte

Kneppchen - 50,17 Grad -  Sommersonnenwende
In Wachendorf ist Sommersonnenwende am 21.6.2006 bei 50,17 Grad am „Kneppchen“. Sie kennzeichnet den südlichsten Sonnenwert des Kalenders. In der Verlängerung befindet sich südöstlich die Bezeichnung „Weidenmaar“, die Kultstättencharakter aufweist und dessen Flurausrichtung genau in Visierrichtung Ringwall verläuft. Sie liegt etwa 10 Grad von der südlicheren Linie der Mondwende entfernt. Hier liegt das

Katzenkneppchen - 221 bzw. 220 Grad
auf der Linie der Mondwenden. Hier befindet sich ein markanter Feldweg in genauer Visierrichtung zum Ringwall. Eine angrenzende Flurbezeichnung „Auf der Steinkaul“ scheint im Zusammenhang mit der Mondbeobachtung zu stehen, da die Tangenten 220/221 Grad genau über eine dort eingezeichnete rechteckige Einfriedung einer als Naturschutzgebiet verzeichneten Stelle verläuft, die dort überall zwischen Iversheim und Wachendorf angelegt wurden, wo es sich um ehemalige Sandkaulen, Steinbrüche oder vermutete ehemalige Kultplätze handelt. Die nebeneinanderliegenden Bezeichnungen Kneppchen und Katzenkneppchen kennzeichnen also Standorte für die Beobachtung der Sonnen- und Mondwendewerte.

Rabental - 52 Grad
Über die Bedeutung der festgestellten Rabentallinie konnte bis April 2005 noch keine weitere Erkenntnis erlangt werden. Das Rabental liegt in einem System von jeweils 3 Grad voneinander entfernten Standorten, die hier als nächstes angeführt werden. Hier liegen die meisten Fluren, Gewanne und Feldwege in Visierrichtung Ringwall. Die Linie kennzeichnet den Sonnenaufgang vom 4.6.2006.



Der Wingardener Vorzeitkalender erstreckt sich auf eine Fläche von etwa 15 Quadratkilometern. Mehr als 15 Hügelkuppen, Flurnamen oder Markierungen bestimmen die Standorte des Kalenders.



Münsterberg - 55 Grad - 24.5.2006
Der Münsterberg wurde zunächst als beliebter Anlaufpunkt für Spaziergänge und Aussichtsstandort für einen Überblick übers Kalkarer Moor zum Broicher Busch, Hardtberg bei Kreuzweingarten und Flettenberg bei Kirspenich lokalisiert. Hier wurde die genaue Ausrichtung der Feldwege auf den Ringwall festgestellt. Mit etwa 306 m ü NN liegt der Münsterberg Wachendorf oberhalb der sonstigen Standorte bei 270 m. Er stellt einen guten Beobachtungsstandort sowohl für  Sonnenauf- als auch für Sonnenuntergänge dar und ist für die Betrachtung insbesondere am 23. Dezember interessant.

Eine Untersuchung der Vergangenheitswerte vom Standort Münsterberg aus ergab, daß er für bestimmte Jahrzehnte der Geschichte die Visierlinie am Sophientag darstellen könnte. Später wurden diese Überlegungen jedoch revidiert, da die julianischen Abweichungen nur ungenaue Werte ergaben. Auch wurde die Ansicht zurückgenommen, daß man anhand Vergangenheitsauswertungen darauf schließen könne, daß demzufolge sich der Kalender auf 600 v.Chr. bzw. 400 n.Chr. datieren ließe.

Pohlenberg - 58 Grad - 16.5.2006
Der Standort Pohlenberg kennzeichnet die Sophientagline und scheint das Hauptmerkmal des Kalenders zu sein. Vom Namen Pohl kann auf das Vorhandensein eines ehemaligen Pfahls geschlossen werden. Vom Ringwall aus betrachtet, geht auch hier an Weihnachten die Sonne unter. Auch der Pohlenberg liegt oberhalb der 270 m Linie bei etwa 296 m. Wiederum verläuft ein Stück Wirtschaftsweg in genauer Visierrichtung Ringwall.

Schneise - 61 Grad - 9.5.2006
Wer sich auf die längliche Lichtung stellt, die vom Hundeplatz aus in Richtung Ringwall weist, hat das Gefühl, um 1000 Jahre zurückversetzt zu sein, oder womöglich sich am Ende der Jungsteinzeit zu befinden. Markant eben die Ausrichtung zum Ringwall. Auch hier die ursprüngliche Vermutung, daß es sich einst um die 1. Mai Linie für das Jahr 650 v. Chr. handeln könne. Ebenso deutet der Verlauf der Schneise entlang der 270 m Höhenlinie auf einen wichtigen Kalenderstandort.

Südmauer Schloss Wachendorf - 64 Grad - 2.5.2006 / Schlossturm 65 Grad - 1.5.2006
Auch das Schloss läßt sich in die Azimutwertbetrachtungen einbeziehen. Sowohl Schlossmauer als auch Turm liegen auf Kalenderlinien.

Betrachtung der Standorte in Billig

Lichtenberg - 123 Grad
Die Sonnenaufgänge im Winter werden vom Lichtenberg aus beobachtet. Markante Punkte sind der zur Landstraße hin abknickende Wirtschaftsweg, der aus Billig das kleine Tal heraufkommt und der kleine Abzweig, der zu einer Baumgruppe und einer Bank hinführt. An dieser Stelle befinden sich die Höhenlinien 265 und 270 m. Diesem Ort vorgelagert befindet sich ein kleiner Feldweg am Hundedressurplatz, der sich als Visierstandort besser eignet, da durch die Einfriedung des Hundeplatzes die Bäume als sichtversperrend erweisen. Die beiden Standorte sind für Betrachtungen um den 22. November geeignet.

Lichtenberg TP 290,6 m - 116,5 Grad
Die leichte Ansteigung des Lichtenberges führt zum Topografischen Punkt 290,6 am Waldrand, der zusammen mit der Einmündung eines Feldweges in die K 24 auf Höhe 270 m eine Linie in Richtung Ringwall bildet. Dieser Ort eignet sich für die Beobachtungen am Martinstag am 11. November. Die Flurbereinigungen haben die Flur- und Straßenverläufe nach neuen Gesichtspunkten gestaltet, es sind keine Feldwege in Visierrichtung vorhanden.

Parkplatz - 109 und 110 Grad
Am nahe gelegenen Parkplatz stößt man auf zwei aus Richtung NWW verlaufende Waldwege, die in Visierrichtung Ringwall weisen. Ihnen liegt in Richtung Hardtberg vorgelagert der Broicher Busch, der eine Peilung Richtung Ringwall verhindert und den Standort für Kalenderzwecke unbrauchbar macht. An den Daten vom 15. Febr, 21. April, 21. August und 27. Oktober liefert er Werte für die Sonnenauf- und Untergangbetrachtungen.

Wintersonnenwende - 127,54 Grad
Ein Standort für die Wintersonnenwende konnte bis zum April 2005 noch nicht lokalisiert werden. Es waren noch keine Überfliegungen der Standorte Lichtenberg und Katzenheck vorgenommen worden und die Begehung des ehemaligen Kultplatzes Katzenheck fehlte ebenfalls.

Katzenheck - 317 und 318 Grad
Als sehr interessant sollte sich der ehemalige Kultort Katzenheck anhand historischen Kartenmaterials herausstellen. Die Katzenheck weist in den dortigen Einzeichnungen zahlreiche Hinweise auf ehemalige Betrachtungsstandorte auf, von denen die Mondbeobachtungen erfolgten. Bei Billig an der heutigen kleinen Kapelle soll es übrigens noch um 1850 Findlinge gegeben haben. Diese Hinweis könnte sich auf die Katzenheck beziehen.

Betrachtung der Standorte Kirchheim

Zwergberg - 317 und 318 Grad
Die Nutzung als Steinbruch im Bereich des Zwergberges läßt keinen Standort mehr feststellen. In Richtung der berechneten Azimutwerte findet man weiter in Richtung Steinbachtalsperre gelegen zwar Flurverläufe, die den Visierlinien entsprechen, die jedoch im Niveau des Geländes keinen Ausblick auf den Ringwall gestatten. Möglich, daß man sich hier einen eigenen „kleinen Kirchheimer Kalender“ anlegte, der jedoch derzeit (Fj 2005) von den Betrachtungen ausgeschlossen werden soll.

Engelberg - 127,56 Grad
Vom Flurnamen und der Lage her gesehen eignet sich der Engelberg für die Betrachtung der Wintersonnenwende vom Ringwall aus. Infolge der Bewaldung des Hardtberges ist eine Peilung nicht mehr möglich und nur noch anhand von Kartenmaterial nachvollziehbar.

Watzenberg - 123 Grad
Von seinem höchsten Punkt bietet er den besten Überblick, welcher jedoch nur zwischen der Sonnenwendlinie und der Martinstaglinie liegt. Er liegt gegenüber dem nordwestlichen Kalenderstandort Billiger Lichtenberg auf etwa der Kalenderlinie vom 22.11. am südöstlichen Kalenderstandort. Der zum Hardtwald hin vorgelagerte ehemalige Kalkofen kennzeichnet die Martinstaglinie, die sich bis zum östlichen Watzenberg erstreckt.

Merkmale

Mit seiner Ausdehnung von 12 bis 15 Quadratkilometern zeigt der Wingardener Kalender ein weit verfächertes System von Standorten und Kalenderdaten auf, die die wichtigsten bäuerlichen und astronomischen Termine kennzeichnen.

1. Es lassen sich Sonnenauf- und Untergänge beobachten und ebenso die Mondbetrachtungen vollziehen.

2. Mit seinen Flurbezeichnungen Katzenkneppchen und Katzenheck dringt der Kalender in die Wurzeln der Germanischen Mythologie und scheint vom Namen Lichtenberg und Engelberg her gesehen keltischen Ursprungs zu sein. Hinzu kommt noch der Name Pohlenberg, der sich von Pfahl ableiten läßt. Damit ergeben sich 5 markante Hinweise die vom Namen her auf einen Kalender hindeuten. Alle diese Orte markieren wichtige Kalenderdaten.

3. Die Höhen südlich von Wachendorf liegen jeweils 3 Grad voneinander entfernt. Genau an diesen Stellen befinden sich zahlreiche Verläufe von Wirtschaftswegen, Gewannen und Fluren in Visierrichtung Ringwall, die die Höhenlinie 270 m kreuzen.

4. Die Kalendermerkmale bei Wachendorf sind erhalten geblieben, weil eine Flurbereinigung des Naturschutzgebietes in den Bereichen der zahlreichen kleinen Schutzhecken nicht durchgeführt wurde. Es lassen sich einige Standorte vom Namen her als prägnant und bei einer Begehung als ehemalige Kultstätten vermuten. Beliebte Aussichtspunkte sind sie bis in heutige Zeit und genau hier laufen die markanten Kalenderlinien.

5. Einige Bereiche südlich Wachendorfs insbesondere um das Knippchen sind wenig zugänglich. Die zahlreichen Steinbrüche, Lehmkuhlen und Sandkaulen stammen zum Teil aus römischen Zeiten, sind zum Teil mit Bauschutt und Lehm verfüllt, renaturalisiert oder verwildert. Hier wäre noch eine Hinzuziehung historischen Kartenmaterials wünschenswert, ebenso wie Hinweisen in Archiven auf Sandkaulenbetreiber und alte Flurbezeichnungen, die auf Kultplätze nachzugehen.

6. Die anderorts so bezeichneten Kalenderhilfslinien zwischen 55 und 61 Grad können zum Zeitpunkt April 2005 nicht weiter interpretiert werden. Vielleicht wurden hier Teilflurbereinigungen durchgeführt, die zur Andersanlage der Feld- und Flurgrenzen führten.

7. Die geologische Zugehörigkeit des Billiger Waldes zum Antweiler Becken.

 

Nachwort:

Am Ende der 4-jährigen Editionen an der Internetpräsentation Kreuzweingartens und der Projektstudie Keltendorf Wingarden wurde der Wingardener Vorzeitkalender entdeckt, gerade als der Ausbau der Seiten eingestellt werden sollte. Leider konnten wir den wir den Kalender zeitlich nicht  datieren. Es machte viel Freude, zusammen mit Reiner Krause, Hubert Flink und Elsbeth Gäntgen die astronomischen Standorte und Kultplätze herauszufinden und zu besuchen.

Es fehlten astronomische Kenntnisse und die Möglichkeit, den Kalender mit andren vergleichen zu können. Aus zeitlichen Gründen war es nicht möglich, umfangreiche Recherchen in Archiven durchzuführen und entsprechende Literatur zu besorgen. Also wurde erst einmal der gesamte Umfang des Kalenders festgestellt um einen ersten Überblick zu bekommen und Fotos von den Beobachtungsstandorten gemacht. Einige Luftfotos anhand einer Überfliegung schien sinnvoll. Durch berufliche Andersverpflichtung  entstanden die Kalenderuntersuchungen also in dieser Form.

Zugegeben, wir taten uns schwer – und vermuteten anfangs anhand einiger Werte für Sonnenaufgangsbetrachtungen aus der Vergangenheit Rückschlüsse auf das Jahrhundert seiner Entstehung machen zu können – hier unterlagen wir großen Irrtümern, die man uns als Hobbyforschern verzeihen möge.   

Diese Veröffentlichung stellt die gemachten Erkenntnisse und den jeweiligen Stand zu einem jeweiligen bestimmten Zeitpunkt dar. Sie besitzt dazwischen liegende Vorergebnisse und einige Ergänzungen, Exkursionen und Illustrationen. Diese wurden später editorial aneinandergereiht und führen an einigen Punkten zu Wiederholungen des Inhalts. Wir bitten diesbezüglich auch um Verständnis.

Ich möchte mich auch recht herzlich für die Unterstützung der Recherchen und Zurverfügungstellung des Archivmaterials in den 4 Jahren der Wingarden-Editionen bei Hans Regh, Heinrich und Margret Veith aus Kreuzweingarten, zahlreichen anderen, sowie insbesondere Reiner Krause aus Rheder bedanken. Ohne ihre Hilfe und Entgegenkommen wäre die Wingarden-Forschung derzeit ins Stocken geraten.

Heinrich Klein



Hinweis 15.10.2006 - Mittlerweile wurde das Untersuchungsgebiet ausgeweitet. Es umfaßt etwa 59 qkm.



Für jegliche Richtigkeit wird keine Gewähr übernommen.

Noch einmal der Hinweis, daß einige Tabellen und Zeichnungen an einigen Stellen falsch sind.

Es gelten die oben angegebenen Copyrightanmerkungen.

Zitieren Sie nicht die Inhalte dieser privaten Notiz.

Die Erforschung des Kalenders hat sehr viel Arbeit und einiges an Geld gekostet. Aus beruflichen Gründen bin ich in den nächsten Jahren nicht in der Lage, hier wesentlich weiterzuforschen. Seien Sie fair, falls es sich wirklich um einen Vorzeitkalender handelt, daß jemand kompetenter und sachverständiger als ich an die Sache herangeht. Auf Wunsch können umfangreiches Kartenmaterial und Luftaufnahmen zur Verfügung gestellt werden (ca. 50 GB). Hierfür müßte mir eine leere neue externe Festplatte zur Verfügung gestellt werden, sowie ein Unkostenbeitrag.



Bergheim, den 15.10.2006 - Heinrich Klein

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