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Bis zur endgültigen Darlegung eines gesamten Überblicks über das Kalendersystem unterliegen die folgenden Ausführungen dem stark erweiterten © Copyright. Demzufolge sind die folgenden Texte und Bilder nur als Gedankenstütze zu werten. Sie stehen für Interessierte und gemeinsame Arbeitsgrundlage hiermit zur Verfügung. Für die Richtigkeit, Irrtümer aufgrund falscher Terminologie oder Daten wird hiermit jegliche Gewähr ausgeschlossen. Hiermit untersage ich während der Vorphase der Untersuchungen jegliches Zitieren oder inhaltliche Vorabveröffentlichung. Es werden laufend Korrekturen und Ergänzungen durchgeführt und während der Untersuchungen muß mit laufenden neuen Erkenntnissen gerechnet werden. Daher kann stets von Veralterung oder Unrichtigkeit der schriftlichen Niederlegungen ausgegangen werden. Wenn Sie Informationen zur Sache oder Ergänzungen haben, oder auch allgemein interessiert sind, fragen Sie bitte per eMail.
Der Mutscheidkalender
Anlaß zu den Editionen am Mutscheidkalender waren historische Editionen zum Michelsberg bei Karmantan.de, vorzeitliche Untersuchungen in Odesheim und Recherchen zum Lüfthildiskult in der dortigen Lüfthildiskapelle. Mehr hierzu bei: Vorzeitlicher Ort Odesheim
Mutscheidkalender - Inhalt
A
- Vorgeschichte
zu Kalenderforschungen am Eifelrand
- 1.
- Vorzeitlicher
Ort Odesheim
B - Gesamtüberblick
über den Mutscheidkalender
- 1. -
Der
Odesheimer Kalender
- 1a - Nordwestlicher
Kalenderzweig (Lausnück, Willerscheid)
- 1b - Südöstlicher Kalenderzweig (Waldgebiet, ohne
Analysen)
- 1c - Südwestlicher
Kalenderzweig - Teil 1 (Mutscheid, Berresheim, Ellesheim)
-
1d - Südwestlicher Kalenderzweig
- Teil 2 (Sasserath, Hilterscheid, Ohlerath)
- 1e - Südwestlicher
Kalenderzweig - Teil 3 (Pitscheid, Heistert)
- 1f -
Kalenderbetrachtungen im Raum Hümmel
- Teil 4 (Hümmel, Marthel, Blindert, Bröhlingen,
Falkenberg)
- 2. - Der
Willerscheider Kalender - (siehe 1a
Nordwestlicher Kalenderzweig des Odesheimer Kalenders)
- 3. - Der
Michelsberg- und Wichertsberg-Kalender
- 3a - Untersuchungen
am Michelsberg [im Bau]
- 3b - Nebenbetrachtungen
- Astrologischer Ort Mahlberg
- 4 -
Kalenderbetrachtungen bei Hohn und
Nöthen [ohne Inhalt]
- 5 - Tondorf,
Engelgau, Frohngau und Nettersheim [ohne Inhalt]
C - Exkurs
- 1. Was
Stonehenge, Goloring, Ringwall Kreuzweingarten und Mutscheider
Kalender gemeinsam haben (())
Vorgeschichte zu Kalenderforschungen am Eifelrand

Abb.
A - Rekonstruktion des Golorings bei Koblenz - (aus Diaserie der
Landesbildstelle Rhld.-Pf. Hier: Ochtendunger Heimatblätter,
Heft 2, 39)
Im Jahre 2002 wurde während den Editionen zur Dorfchronik von Kreuzweingarten entdeckt, daß der bekannte etwa in den Jahren 150 - 50 vor Christus entstandene oval angelegte Ringwall am Hardtberge an seinem Ostende einige Grundstücks- und Böschungsverläufe aufweist, die im gedachten Radius eines möglichen Vorgängerkreises liegen. Mehrere Luftaufnahmen, wie in Abb. C zeigen in der Vergrößerung diese Verläufe in den Ausmaßen einer vermuteten Vorgängerkreisanlage. Der äußere Radius entspricht in etwa dem des Golorings, der bei etwa 170 Meter Durchmesser liegt. Durch die umfangreichen Erdarbeiten jedoch, die beim Ausbau zur bekannten ovalen Fortifikation des Ringwalles erforderlich waren, wurde dieser kleine innere Wallgraben abgetragen und das gewonnene Erdmaterial zum wesentlich größeren Wall der Ovalanlage verwendet. Der ursprüngliche Zweck des Kalenders am Kreuzweingartener Ringwall geriet in Vergessenheit. Die Archäologen fanden 1920 nur noch die bekannten Reste der ovalen Fortifikation, zur flachen Westseite hin als 2fache Murus Gallicus hin versehen.
Als durch die Forschungen am Goloring bei Koblenz bekannt wurde, daß bestimmte Höhen der Umgebung mit dem Goloring in Verbindung stehen und die Menschen früher durch Sonnenbeobachtung von diesen geeigneten Standorten aus Kalenderbeobachtungen durchführten, wurden die Untersuchungen am Ringwall auf geeignete Höhen der näheren Umgebung Kreuzweingartens ausgedehnt.

Abb.
B - Standorte Dreitonnenkuppe, Karmelenberg und Goloring

Abb.
C - Baumbewuchs Keltenring Kreuzweingarten. Luftaufnahme 21. April
2002 - 14.34 Uhr.
Die Auswertungen ergaben, daß der Lichtenberg bei Billig, Engelberg bzw. Watzenberg bei Kirchheim und Münster- bzw. Pohlenberg bei Wachendorf Sonnenauf- und Untergangsbetrachtungen über dem Ringwall bei Kreuzweingarten ermöglichen. Die Namen Engelberg, Lichtenberg und Bölzberg (Belenusberg?) bei Kreuzweingarten deuten auf keltisch oder fränkische Lichtengel hin, nach denen unsere Vorfahren Berge benannten. Das in der Schweiz bekannte so genannte Belchendreieck verbindet 3 Berge, die als Belchen (kelt. Behl; glänzend, schimmernd, hell) im franz. Elsaß, Schwarzwald und in der Schweiz auf Sommersonnenwendlinien miteinander verbunden sind. Es ist davon auszugehen, daß bei allen Systemen die Sommersonnenwende im Mittelpunkt der Betrachtung stand. Sofern es sich um bäuerliche Kalender handelte, spielen Standorte für 15.5. (Sophientag; nach den 3 Eisheiligen, Beginn der Feldarbeit) und 11.11. (Martinstag; Zinstag, Ende der Feldarbeit) eine bedeutende Rolle.

Abb.
D - Ringwall Kreuzweingarten mit geeigneten Standorten für
Kalenderbetrachtungen.

Abb.
E - Münsterberg Wachendorf mit Kalenderstandort für den
15.5. = Sophientag/Eisheiligen
Bei einer ersten Überfliegung wurde das Grabenwerk am Münsterberg Wachendorf entdeckt. Wie sich herausstellte, entsprach die Ausrichtung des Münsterberges auf den Ringwall den gleichen Werten, wie der Standort Dreitonnenhöhe auf den Goloring, als etwa eine Ausrichtung auf ein Datum zwischen dem 12. und 15. Mai. Eine Auswertung von weiteren Luftaufnahmen ergaben 3 weitere Kalenderstandorte, die mit dem Ringwall bei Kreuzweingarten auf markanten Kalenderlinien verbunden waren. Damit war ein erster Anhaltspunkt für die Richtigkeit der Annahme, daß es sich um ein vorzeitliches Kalendersystem handeln könnte, geglückt. Später wurde ein Grundsystem eines Kalenders erstellt und eine Modellspinne auf Folienpapier gedruckt die für die Auffindung von weiteren Standorten zu Hilfe genommen wurde. Die Untersuchungen waren sehr umfangreich und das ursprüngliche Untersuchungsgebiet rund um den Keltenring Kreuzweingarten wurde mehrfach erweitert. Seinerzeit war noch keine Kenntnis über Kalendersysteme vorhanden. Das Projekt wurde Bäuerlicher Vorzeitkalender am Eifelrand und der Kalender Wingardener Vorzeitkalender benannt. Informationen hierzu finden sich bei karmantan.de und vorzeitkalender.de.

Abb.
F - Hauptkalenderlinien - Meßschablone © Copyright
vorzeitkalender.de, karmantan.de - Anklicken zur Vergrößerung.
B. Gesamtüberblick über den Mutscheidkalender
Nach den ersten Untersuchungen etwa im November 2004 um den Michelsberg und den Wichertsberg bei Mahlberg wurden einige Kalenderstandorte und Kalenderlinien bei Eicherscheid, Hohn, Kolvenbach und Nöthen, sowie südlich von Mahlberg ermittelt, das damalige Projekt jedoch aus zeitlichen Gründen zurückgestellt. Mit den Forschungen um den Lüfthildiskult und der Lüfthildiskapelle im Oktober 2009 in Odesheim kam ein vermuteter Mutscheider Kalender wieder zur Diskussion. Ab November 2009 begannen die ersten Recherchen bezüglich eines vorzeitlichen Kalendersystems für den Raum Odesheim und die Michelsberger Betrachtungen wurden wieder aufgenommen. Als erstes wurde der Standort Odesheim auf seine Kalendertauglichkeit untersucht (Siehe Vorzeitkalender.de, Standortuntersuchungen, Editionen Odesheim - Vorzeitlicher Ort).

Abb.
1 - Kalenderentwurf für Odesheim - Das theoretische Modell einer
Kalenderspinne wurde über den Ort Odesheim als Mittelpunkt
gesetzt und wichtige Erhebungen oder Orte im Bereich der
Kalenderlinien zunächst als möglicher Kalenderort in
Betracht gezogen.

Abb.
2 - Modell eines Mutscheider Kalendersystem. 3 gleiche
Kalenderspinnen wurde über Odesheim mit violett eingezeichneten
Kalenderorten, den Wichertsberg Mahlberg mit grün
eingezeichneten Standorten und den Michelsberg mit blau
eingezeichneten Standorten gelegt. An einigen Stellen gibt es
doppelte Linienverläufe, die auf verbundene Kalenderlinien
hindeuten. Später kam noch ein kleines viertes Willerscheider
Kalendersystem mit roten Markierungen hinzu.
Die 4 angenommenen theoretischen Kalendersysteme Wichertsberg, Michelsberg, Willerscheid und Odesheim sind an einigen Stellen auf längeren übergeordneten Kalenderlinien verbunden. Die dort liegenden angenommenen Kalenderstandorte besitzen teilweise eigene kleine Kalendereigenschaften und sind dadurch für Sonnen- und Mond- Auf- und Untergangsbetrachtungen der nebenliegenden Hauptkalender gleichermaßen geeignet. Die 4 genannten Kalendersysteme wurden im Verlaufe dieser Untersuchung als Mutscheider Kalendersystem bezeichnet. Sie erfuhren später eine Erweiterung um die Kalenderorte der Gemeinde Hümmel, die nicht zur Mutscheid gehören und außerhalb von Nordrhein-Westfalen liegen. Zwei eventuelle weitere kleinere Kalenderbereiche der Bergrücken um Nöthen und Hohn, sowie des Hohenzuges um Tondorf und Buir, werden zusätzlich zum Mutscheider Kalendersystem erfaßt, sodaß es sich um insgesamt 7 Untersuchungsgebiete handelt.
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Kalendersystem Mutscheid |
Wichertsberg |
Michelsberg |
Odesheim
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Willerscheid |
Hümmel (Rheinland-Pfalz) |
Raum Nöthen |
Raum Tondorf |
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Erforschung seit: |
Nov. 2006 |
Nov. 2006 |
Dez. 2009 |
Dez. 2009 |
Jan. 2010 |
Nov. 2006 |
Feb. 2010 |
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Besondertheit |
Kultstätte |
Vorzeitlicher Ort überragend |
Hauptstandort |
Komplementär zu den 4 vorigen Kalendern |
Vorzeitlicher Ort überragend |
Ausrichtung auf Wichertsberg und Michelsberg |
Ausrichtung auf Wichertsberg und Michelsberg |
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Verbunden |
Nöthen |
Kopnück |
Mutscheid |
Effelsberg |
Hümmel |
Komplementäre Ort |
Komplementäre Orte |
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Nebenorte |
Bergrath |
Vollmert |
Höhe bei Marthel |
Rupperath |
Willerscheid |
Komplementäre Ort |
Komplementäre Orte |
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Seitenzweige |
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Hilterscheid - Ohlerath
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Blindert |
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Martinstaglinie Hollerberg - Hilterscheid |
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Einschränkung |
Waldgebiete nicht erforschbar |
Waldgebiete nicht erforschbar |
Waldgebiete nicht erforschbar |
Waldgebiete nicht erforschbar |
Nur Ausrichtung zur Mutscheid überprüft |
Noch nicht weiter erforscht |
Noch nicht weiter erforscht |
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Ausdehnung |
15 x 11 km = 165 km2 |
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Stand |
13.02.2010 |
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Während der Untersuchungen zeigte sich dann nach 2 Monaten, daß auch einige Ortschaften der Gemeinde Hümmel im Kreis Ahrweiler an den Odesheimer Kalender anknüpfen. Es handelt sich im einzelnen um die Orte Heistert, Pitscheid, Blindert und Marthel, die zusammen mit dem südwestlichen Teil des Odesheimer Kalenderzweig untersucht werden.

Abb.
11 - Das Untersuchungsgebiet am Odesheimer Kalender. Die Mutscheid
mit ihren 14 Ortschaften (rote Markierung), die Gemeinde Hümmel
im Kreis Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) mit ihren 7 Ortschaften (grüne
Markierung) und die der Stadt Bad Münstereifel zugehörigen
Orte Hünkhoven, Rupperath, Mahlberg (mit Michelsberg), Schönau
und Langscheid, die im Kreis Euskirchen (Nordrhein-Westfalen) liegen.
Quelle: Kartenausschnitt Falk-Plan mit Ergänzungen und
Einzeichnungen.
Kalenderlinien des Mutscheider Vorzeitkalenders

Abb.
11a - Stand 27.12.2009 - Odesheimer Kalenderzweige (grün) und
Kalendernebenzweige (blau).
gemäß Abb. 1 wurde in 4 gleiche Kalenderhälften geteilt. Es erfolgen die einzelnen Untersuchungen der Standorte. (In Klammern Tag der Begehung)
Odesheim - Teil 1 Nordwestlicher Kalenderzweig (Begehungen am 12.11.2009)

Abb.
3 - Untersuchung am Odesheimer Kalenderteil betreffend die Standorte
Laus Nück bei Soller und Willerscheid.
Betrachtung 1
Etwa südöstlich von Soller liegt das ehemalige Bergwerk Klappertshardt. Hier befinden sich am Nordeingang von Hummerzheim kommend 2 diskusförmige Hügel, die sich etwa im Bereich der Mondwendelinien von Odesheim liegen. Der erste liegt etwa 200 m von der K 50 entfernt gut sichtbar auf einer Wiese und ist mit Bäumen bestanden. Der hinter dem Bergwerk liegende am Wirtschaftsweg liegende zweite Standort ist bewaldet und wurde kurz begangen. Beide Standorte kommen als Beobachtungsort für Mondauf- und Untergangsbetrachtungen in Frage.

Abb.
4 - Bergwerk Klappertshardt.

Abb.
5 - Diskusförmige Kuppe etwa 100 m oberhalb des Bergwerks
Klappertshardt.
Im Folgenden ein Auszug aus dem Beitrag von Edgar Fass aus dem Eifeljahrbuch 1990 des Eifelvereins Düren:
Die Grubenanlagen
Heute künden nur noch einige Halden und die alten Gebäude der Tagesanlagen der Grube Klappertshardt vom einstigen Bergbau. Von der Grube Glückstal selbst blieb nur der mit Grauwackesteinen gemauerte Stollenausgang erhalten (siehe Zeichnung), dazu eine planierte Haldenfläche von Sportplatzgröße vor diesem im gleichnamigen Tal. Hier erkennt man im Boden noch die Grundmauern des ehemaligen Steigerhauses. Oberhalb am Berghang gibt es noch einige überwucherte Haldenreste, dazu Pingen (Einbruchstellen des Schachtes). Die Tagesanlagen und der Ziegelsteinschornstein wurden auf Abriß verkauft und der Förderturm demontiert. Erhalten blieb noch der Stauweiher für das Grubenwasser, der heute von einem Bach gespeist wird. Das Wasser leitete man bei Bedarf etwa 200 Meter unterhalb zur Bleiwäsche. Diesen mit einem Erdwall eingefaßten Platz erkennt man heute noch an dem fehlenden Pflanzenwuchs. [...] Der Schachteingang der Grube Klappertshardt mit dem nicht mehr erhaltenen Förderturm stand auf der gleichnamigen Bergkuppe. Es gab folgende Stollenteufen: 60-Meter-, 120-Meter- und 200-Meter-Sohle. Mit der 200-Metersohle erreichte man hier die größte Tiefe und eine Stollenlänge von 1200 Meter. Dieser Stollen stellte auch die Verbindung zum aufgegebenen Bergwerk Glückstal her.
Betrachtung 2
Ein paar hundert Meter weiter befindet sich südlich von Soller die Laus Nück (TP 516,5 m). Diese liegt für einen Odesheimer Betrachter etwa 2 Grad nördlich der Tangente zur Wintersonnenwende (22.12.) in Richtung Michelsberg.
In der obigen blau eingezeichneten Tangente zur Wintersonnenwende ergeben sich Azimutwerte für den Sonnenaufgang etwa bei 128 Grad, für den Sonnenuntergang etwa bei 232 Grad.

Abb.
6 - Sonnenauf- und Untergangsbetrachtung zur Wintersonnenwende.
Zur Sommersonnenwende lauten die Azimutwerte 50 Grad 17 Minuten bzw. 309 Grad und 42 Minuten

Abb.
7 - Sonnenauf- und Untergangsbetrachtung zur Sommersonnnenwende.
Für den 22.12. bedeutet dies für einen Michelsberger Betrachter, daß die Sonne bei etwa 128 Grad über Odesheim aufgeht, während umgekehrt für den Odesheimer Betrachter die Sonne am 22.6. bei etwa 310 Grad über dem Michelsberg untergeht. Diese einfache um etwa 2 Grad (128 Grad + 180 Grad = 308 Grad : 310 Grad) abweichende gegenläufige Betrachtung prägt sich ziemlich einfach für einen bäuerlichen Beobachter des Sonnenstandes ein. Die Laus Nück liegt auf 516,5 m zwischen Michelsberg (TP 566 m) und Odesheim (Lüfthildskapelle) mit 445 m Höhe und liegt kurz unter der Sichtlinie zwischen Odesheim und dem Michelsberg; etwa 5 Grad nördlich der Ideallinie Odesheim-Michelsberg. Für eine einfache bäuerliche Sonnenaufgangsbetrachtung (22.6.) vom Michelsberg und eine Sonnenuntergangsbetrachtung (22.12.) von Odesheim aus reicht die markante Erhebung für die Bestimmung der beiden Kalendertage aus, sofern es sich um einen etwas kundigen Beobachter handelt.

Abb.
8 - Die Laus Nück liegt auf der Linie zwischen Odesheim (links)
und Mahlberg (rechts).
In einem Gespräch zwischen Odesheimern wurde dem Landwirt S. in den 60er und 70er Jahren der Sonnenuntergang zur Sommersonnenwende von seinem älteren Onkel so erklärt: Da geht die Sonne genau am 22.6. unter. Gemeint war die Sonne zur Sommersonnenwende, der von Odesheim aus über der Laus Nück zu sehen ist, bis sie über dem Michelsberg Mahlberg untergeht. Später fand S. heraus, daß die Sonne zur Wintersonnenwende fast genau auf der gegenüberliegenden Seite Odesheims aufgeht. Eine markante Beobachtung, die schon unsere Vorfahren kannten und mit zur Wahl des Kalenderortes führte.
Betrachtung 3
Ein östlich von Willerscheid angenommener Kalenderstandort (violette Markierung an der hellblauen Martinstaglinie 11.11) wurde wegen der Witterung nicht untersucht.
Betrachtung 4 =
2.
Der Willerscheider Kalender
Der Ort Willerscheid liegt an mehreren Kalenderlinien. Da diese schon ein eigenes kleines Kalendersystem darstellen, ist der Ort eine nähere Untersuchung wert.

Abb. 9 - Kalenderlinien bei Willerscheid. Es bedeuten
violett = durchgängige Mondwende-Linie vom
Michelsberg her
orange = durchgängige Samhain-Linie
zum 1.11., die vom Wichertsberg bei Mahlberg nach Odesheim verläuft
grün = Sophien-Linie zum 15.5. zur Laus Nück.
Diese Kalenderlinie, die das Datum der Einsaat nach den Eisheiligen
markiert, liegt auf 58° 38' 29". Sie kommt in Willerscheid
mehrfach vor und ist an einigen Wirtschaftswegen und Flurgrenzen zu
finden.
hellblau = Die Fliederstraße folgt in ihrem
südöstlichen Verlauf außerhalb des Ortes ein Stück
der Martinstaglinie bei etwa 117 Grad. Diese kommt in Willerscheid an
mehreren Grundstücksausrichtungen vor.
Ein im Dorfmittelpunkt stehendes Wegekreuz mit nebenstehendem Findling scheint am Standort einer vorzeitlichen Kalendermarkierung zu stehen.
Willerscheid ist wie mehrere Dörfer der Mutscheid mit dem Bergbau verbunden. Man spricht von einer Tradition, die ins 17. Jahrhundert zurückgeht.
Edgar Fass schreibt im Eifel Jahrbuch 1990 des Eifelvereins Düren zum Willerscheid zugehörigen Glückstal:
Der Unternehmer Schmitz aus Flamersheim widmete sich nur dem Bergwerk bei Willerscheid und gab ihm den Namen Glückstal. Er fing die Arbeiten im Jahre 11 an (nach französischen republikanischen Kalender, d.h. 1802/03. Er verbesserte die Werke, die sich am Ufer des Prupbaches (heutiger Name Brobach, im einheimischen Dialekt heute noch Prübech genannt) befanden, ließ die vom Alten Mann in weiser Voraussicht zugebühnten Schächte wieder aufwältigen und die Wasserableitungsstollen und einen Teil der oberen Brunnen wieder öffnen. Als Alten Mann bezeichnete man in der Bergwerkssprache Spuren der mittelalterlichen Bergleute.
Man errichtete damals unweit einer Mühle, die am Prupbach lag, ein Pochwerk mit sechs Stößern, wovon vier zum Stampfen der Erze und zwei zum Pulvern der Kohlen dienen sollten. An dem nämlichen Ort wurde eine Schmelze mit zwei Schlauchöfen von einem Meter und 66 Millimeter ('fünf Schuhe') hoch gebaut. Die dort heute noch stehenden und bewohnten Gebäude nennen die Einheimischen de Schmelz.

Abb.
10 - Belegschaft der Grube Glückstal von der
Gewerkschaft Libussa im Jahre 1901
Die Mine enthielt zwei Gänge, bestehend aus Quarz oder weißen harten Steinen und war häufig genug mit Blei- und Kupfererzen durchschossen. Die Blei- und Silbererze dieses Bergwerks, das eines der interessantesten des Departements ist, bezeichnete der französische Sachverständige als reichhaltig und beträchtlich, so daß die Hoffnung für berechtigt zu halten ist, daß die Namensgebung Glückstal in diesem Falle keine Täuschung sein werde. (Die Schreibweise der Zeit wurde der Originalität wegen zum Teil beibehalten.)
Die Rechte der Mine Glückstal erhielt Herr Schmitz bald nachher infolge der neuen französischen Berggesetzgebung von 1810 unwiderruflich verliehen. Der Erfolg blieb dank der guten Anbrüche und großen Ausbeute nicht aus. Hiervon berichtete Simoleon Calmenet in einer zweiten Abhandlung im Jahre 1810, veröffentlicht 1812 im Handbuch für die Bewohner des Rhein-Mosel-Departements. Trotzdem gab es offensichtlich Mängel bei der Bereitung des Bleierzes im Glückstal; denn Calmenet war mit verschiedenen Einrichtungen nicht sehr zufrieden. Dennoch blieb er dem Bergwerk, das er wieder als besonders bemerkenswert bezeichnete, weil es das einzige seiner Art im Departement sei, weiterhin gewogen. Er lobte den Unternehmer und machte für den hinter den Erwartungen zurückbleibenden Erfolg in erster Linie den unfähigen und unredlichen Geschäftsführer verantwortlich. Ungeachtet der Diebstähle und anderer Zufälle habe das Bergwerk im Jahre 1809 eine Förderung von 477 Quinten (Doppelzentner) Blei zum Wert von je 39 Franken (also insgesamt rund 18.000 Franken) gehabt. Der Centner Bley hält 4 Loth Silber, das entsprach 1/16 Mark oder 196 bis 280 Gramm. Im Jahre 1810 sei in Glückstal bereits die beträchtliche Zahl von 51 Menschen, darunter ein Steiger und 18 Bergleute, beschäftigt gewesen. Anno 1816 werden diese Zahlen aus dem Jahre 1809 in einem Bericht erwähnt und zu der Gemeinde Mutscheid mit allen Ortschaften, unter anderem auch Glücksthal mit zwei Häusern und 13 Einwohnern, aufgeführt. Die Ausbeutung der Bleierzvorkommen von Glückstal sind noch mehrere Jahrzehnte von der Familie Schmitz aus Flamersheim betreiben worden.
Mit den Ausführungen zum Bergbau enden die Untersuchungen am nordwestlichen Kalenderzweig, da angesichts des Winters 2009/10 die weiteren Begehungen nicht möglich waren.
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