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Südwestlicher Kalenderzweig
Teil 1 - (Mutscheid, Berresheim, Ellesheim)
Während die beiden östlichen Odesheimer Kalenderzweige überwiegend in nichtbesiedelten Wald- und Feldgebieten verlaufen, betrifft insbesondere der südwestliche Kalenderzweig mehrere Dörfer der Mutscheid und des nördlichen Ahrkreises. Zunächst noch einmal die Übersicht über den Odesheimer Kalender.

Abb.
1 - Kalenderentwurf für Odesheim - Das theoretische Modell einer
Kalenderspinne wurde über den Ort Odesheim als Mittelpunkt
gesetzt und wichtige Erhebungen oder Orte im Bereich der
Kalenderlinien als möglicher Kalenderort in Betracht gezogen.
Odesheim - Teil 2 Südwestlicher Kalenderzweig
(Begehung 1 am 1.12.2009, Begehung 2 am
21.12.2009, Begehung 3 am 24.12.2009)
Die germanischen oder keltischen Hirten bezogen ihre ersten Siedlungen zwar auf Höhen, allerdings hinter den höchsten Kuppen im Windschatten auf der Ostseite der Hügel. Gerne wählte man Stellen, an denen unterirdische Wasseradern verliefen möglichst in der Nähe von Felsen, Felsenmeeren oder zwischen größeren Findlingen, wo man bei Unwetter den notwendigen Schutz fand. Für einen siedelnden Germanen war es wichtig, die Kalendereckdaten für die bäuerliche Feldarbeit anhand der Sonnenauf- und Untergänge festzulegen. Hierzu mußte man wissen, wann die bäuerlichen Tage für die Einsaat und für das Ende der Feldarbeit waren. Anhand des Sonnenstandes am Horizont war man in der Lage, Aussagen hierüber zu machen. Man mußte nur die entsprechenden umliegende Höhen und die Sonnenauf- und Untergänge beobachten und konnte dann am Stand der Sonne das Datum bestimmen.
Von Odesheim aus gesehen liegen die Orte Berresheim, Mutscheid und Ellesheim auf den Kalenderlinien 1. Mai = gelb, 15. Mai (Sophientag) = grün und der Sommersonnenwende 22.6. = rot, weiter entfernt zunächt Hilterscheid, auf einer Kalendernebenlinie Sasserath, und noch weiter die Orte Heistert, Pitscheid und Marthel. An allen 8 Ortschaften finden sich Wege- und Flurverläufe auf Kalenderlinien. Demzufolge könnt Ohlerath als 9. möglicher Ort mit einbezogen werden. An einigen Schnittstellen oder auch auf den Kalenderlinien selbst liegen häufig unsere Kirchen, Kapellen, Bilderstöcke und Wegekreuze, wie dies aus zahlreichen Einzeluntersuchungen ersehen läßt.
Möglicherweise bilden Berresheim, Mutscheid und Ellesheim Orte zusammen mit Hilterscheid, Heistert, Pitscheid und Marthel noch ein weiteres eigenes Kalendersystem, bzw. einen eigenen kleinen Nebenkalender, wie dies an den beiden dunkelblau und hellblau eingezeichneten winterlichen Kalenderlinien Heistert - Pitscheid (Martinstaglinie 11.11. ca. 117 Grad) und Sasserath - Hilterscheid (Wintersonnenwende 22.12. ca. 127 Grad) ersichtlich ist. Dies wird sich jedoch erst nach einigen Einzeluntersuchungen bestätigen können. Eine Ausdehnung weiter nach Hümmel, Wershofen, Blindert, Falkenberg und Bröhlingen wird an dieser Stelle nicht weiter untersucht.

Abb.
31 - Untersuchungen am Odesheimer Kalender, südwestlicher
Kalenderzweig
Betrachtung 1 - eine erste Nahbetrachtung
Anhand einer Google-Earth-Auswertung erkennt man die
Lage der Orte Berresheim, Mutscheid und Ellesheim an den 3 von
Südwest nach Nordost in Richtung Odesheim verlaufenden
Hauptkalenderlinien.

Abb.
30 - Kalenderlinien bei Mutscheid, Berresheim und Ellesheim. Die drei
durchgängigen Linien lassen die Verbundenheit mit dem
Kalenderstandort Odesheim erkennen. Sowohl Mutscheid als auch
Ellesheim weisen zahlreiche bäuerliche Kalenderlinien auf, wie
dies auch in den Orten Hilterscheid und Sasserath vorkommt. Die gelbe
Linie bezeichnet die 1.-Mai Kalenderlinie Mutscheid - Odesheim, die
grüne Linie die Sophienlinie 15.5. und rot stellt die
Sommersonnenwendlinie von Ellesheim nach Odesheim dar. Die zweite
durchgängig gelb unterbrochene 1.Mai Kalenderlinie stellt die
Kalendernebenlinie Sasserath - Martinsnück (Berresheim) dar.
Es bedeuten die folgenden Farben:
Rot =
Sommersonnenwende; Sonnenaufgang von Ellesheim (Ost) aus am 22.6.
über der Steinbergsnück bei Odesheim zu sehen.
Grün
= Sophienlinie; Sonnenaufgang von Ellesheim (West) aus am 15.5. über
Odesheim zu sehen.
Gelb = 1.-Mai-Linie; Sonnenaufgang von
Mutscheid (Kirche/Friedhof) aus am 1.5. über Odesheim zu sehen.
Markant ist der Verlauf des Veilchenweges auf dieser
Kalenderlinie.
Orange = 1.-November-Linie = Allerheiligenlinie
Hellblau = 11.-November-Linie = Martinstaglinie
Dunkelblau =
Wintersonnenwende = 22.12.
Weiß = Nord-Süd-Achse auf
dem ersten Abschnitt des Dahlienweges.
Die eingezeichneten Flur- und Wegeverläufe in Abb. 30 sind bezogen auf den Stand gemäß der Google-Earth-Karte vom 20. Juni 2005. Alte Ausrichtungen vor einer Bodenreform oder zu Zeiten der Tranchot-Vermessung sind in diesen Analysen nicht berücksichtigt.
Wie sich anhand dieser ersten Auswertung ergibt, scheint der Standort Odesheim-Lüfthildiskapelle bzw. der vorgelagerte Standort Odesheim-Steinbergsnück als zentraler Kalenderort bestätigt.
Betrachtung 2 - Der Ort Mutscheid und seine Kalenderstandorte
Als besonders markant gilt der oben erwähnte Verlauf des Veilchenweges, welche auf einer Kalenderlinie verläuft und den Sonnenaufgang über Odesheim am 1. Mai kennzeichnet. Wer am Friedhofseingang in Mutscheid steht, sieht am 1. Mai um 5:46 Uhr die Sonne über Odesheim stehen. Die Blickrichtung ist dabei der Veilchenweg. Wer sich die betreffende Stelle am Horizont merkt, hat einen wichtigen Standort zur Azimutwertbetrachtung der Vorzeit bei etwa 58° 38' 29" (Grad/Minuten/Sekunden) nachvollzogen und mag sich einen Begriff davon machen, welche Bedeutung der heute vorwiegend als Kultfest geschmückte erste Mai einst in Wirklichkeit hatte. Auch die Kalendernebenlinie des 1. Mai am Narzissenweg, die sich dort mit der Martinstaglinie kreuzt, deutet darauf hin.
(Kleine Kalenderkunde) Da infolge Klimaveränderungen und Schwankungen im Laufe der Zeit sich der Frostbeginn verlagerte, wurde ebenso der Tag für die Einsaat vom 1. Mai auf den 15. Mai verlegt. Der keltische Kalender kannte neben den Sonnenwenden insbesondere den 1. Februar, 1. Mai, 1. August und 1. November als Festtag. später entwickelten sich je nach klimatischer Lage in Europa eigene Varianten und regionale Besonderheiten, und fügte beispielsweise die 3 bzw. 4 Eisheiligen und den Sophientag ein. In der Regel waren dies 12. Mai - Pankratius, 13. Mai - Servatius, 14. Mai - Bonifatius, 15. Mai - Sophie. In einigen Gegenden kam noch 11. Mai - Mamertus hinzu. Der Eifeler Bauer kennt den Sophientag allgemein als letzten Wintertag. Allgemein gelten als Eckdatum: Südwestengland (Golfstrombegünstigtes Klima) = 1. Mai, Norddeutschland 11.-13. Mai, Mitteldeutschland 12.-14. Mai, Süddeutschland bis 12.-15. Mai. Für die Eifel mit ihrem relativ rauhen Klima war mit frühester Einsaat nicht vor dem 15. oder 16. Mai zu rechnen.

Abb.
35 - An zwei Mutscheider Kultstättenbezirken treffen sich
übergeordnete und lokale Kalenderlinien.
Als wichtige Standorte für Kalenderbetrachtungen bzw. als Kultort der Vergangenheit sind in Mutscheid der Standort der Kirche, der Veilchenweg und die Flurverläufe nördlich und nordwestlich von Mutscheid. Ein bisher noch nicht geklärtes mutmaßliches Indiz für astronomische Berechnungen bildet die Nord-Süd-Ausrichtung des ersten Teiles des Dahlienweges und einiger gegenüberliegender und benachbarter Grundstücke mit dessen Hilfe man die Nord-Ausrichtung am Sternbild des Großen Wagen feststellen konnte. Sie weicht knapp 2 Grad von der heutigen Nord-Ausrichtung ab; dies ließe sich jedoch aufgrund von Schwankungen der Erdachse zurückführen.
Wie genau solche Stätten ausgesehen haben, läßt sich nur vermuten. Anzunehmen ist eine realtiv ebenes oder leicht abhängiges Gelände zu Weidezwecken, um welches die ersten Häuser entstanden. Als Markierung dienten Bäume oder Steine bzw. Findlinge; letztere nahm man später für den Hausbau. Wie am Beispiel zahlreicher Kirchen in der Nordeifel festgestellt, erfolgte auf kelitscher oder germanischer Kultstätte bzw. Tempelchen ein erster Kapellen- oder Kirchenbau, dessen Fundamente häufig unter heute noch bestehenden Kirchen zu finden sind. Oftmals befinden sich in der Nähe geologische Verwerfungen und insbesondere Wasseradern.
Die Besiedelung von Mutscheid dürfte auf fränkische Ursprünge zurückzuführen sein. Zur Geschichte von Mutscheid finden sich Angaben bei Hans Peter Schiffer: Pfarrkirche St. Helena in Mutscheid, S. 191 in Kirchen und Kapellen im Stadtgebiet Bad Münstereifel, ISBN 978-3-941037-08-3:
893 wird im Güterverzeichnis der Abtei Prüm ein Waldbezirk Murkensceit aufgeführt, welcher der späteren Siedlung und der heutigen Pfarrei den Namen Mutscheid gab. Die Statuten des Ahrdekanates von 1173 führen Mutscheid unter den Kirchen auf, in denen der Dechant alljährlich Send (geistliches Gericht) hielt. In den 1222 zum Prümer Urbar verfassten Erläuterungen wird Muckesceyt als trefflicher Gutshof an der Ahr bezeichnet.

Abb.
36 - Veilchenweg, Blick Richtung Odesheim, Beobachtungsort
Sonnenaufgang 1. Mai, 6.09 Uhr

Abb.
37 - Bilderstock Arandstraße

Abb.
38 - St. Helena - Mittelpunkt der Mutscheider Kirchengemeinden
Die Kirche selbst steht im Kreuzungspunkt einer verlängerten Martinstaglinie, die nach Südosten auf ca. 117 Grad liegt und der Sommersonnenwende (Geranienweg), die nordöstlich auf etwa 50 Grad verläuft. Der gesamte Bereich zwischen Veilchenweg und Dahlienweg mit Zentrum Kirche und Pastorat dürfte angesichts der durchgehenden 1.-Mai-Linie am Veilchenweg bei ca. 65 Grad als Kultstättenbezirk der ersten Siedler in Mutscheid angesehen werden. Der Bereich am Narzissenweg kommt als zweiter Kultstättenbezirk in Frage.

Abb.
39 - Wegkreuz zwischen Mutscheid und Ellesheim
Betrachtung 3 - Ellesheimer Kalenderorte (Begehung 21.12.2009)
Westlich von Mutscheid liegt der kleine Ort Ellesheim, der nächste Standort für Betrachtungen am Vorzeitkalender rund um Odesheim. Die Auswertungen hatten ergeben, daß Ellesheim an beiden Enden des Ortes an jeweils einer Kalenderlinie in Ausrichtung nach Odesheim liegen. Der erste Standort für Sonnenaufgangsbetrachtungen über Odesheim am 15.5., dem Sophientag, liegt am westlichen Ortseingang am Kreuzungspunkt eines Wirtschaftsweges mit der Rehnstraße, der zweite Standort am östlichen Ortsende, wo sich die Rehnstraße gabelt. Etwa im östlichen Drittel des Ortes liegt der ältere Ortskern aus etwa 7 kleineren Fachwerkhäusern, teilweise als Vierkanthof oder mit (ehemaliger) Scheune errichtet. Hier findet man mehrere Hinweise zur früheren Besiedlung. Etwa dort, wo der Dorfgestaltungsverein eine Gemeinschaftshütte unterhält und sich eine Haltestellenanlage für den Öffentlichen Nahverkehr befindet, trifft der Besucher auf zwei unweit stehende Dorfbrunnen, einer vom DGV unterhalten und einer, der vor einem Vierkanthof steht.

Abb.
30 - Lage von Ellesheim an den Linien zum 15.5. (grün) und 22.6
(rot). Die kleineren Kalenderlinien liegen an Grundstückverlaufen
und bilden die Sommersonnenwende (rot) und Mondwenden (violett).
Ellesheim ist ein sonnenbeschienener Ort auf einem niedrigen
Bergrücken zwischen den auf höheren Bergrücken
gelegenen höher Orten Mutscheid, Hilterscheid, Ohlerath,
Rupperath und Berresheim, auch ideal gelegen für einen
Sonnenkalender wie am Goloring bei Koblenz.

Abb.
40 - Unmaßstäblicher Verlauf der bei Ellesheim
verlaufenden Sommersonnenwende (rot) und Sohienlinie (grün)
Der ältere Ortskern von Ellesheim mutet wie ein ehemaliger germanisch angelegter Kultstättenbezirk mit Charakter eines Sonnenkalenders. Er weit rechtwinklig zur Wintersonnenwende (blau) angebrachten Mondwendelinien (violett) auf, an denen die weiß getünchten Fachwerkhäuser stehen. Durch die Anlage in einer solchen Ausrichtung erreichte man nachts eine optimale Mondbeleuchtung. Im weiß umrandeten Bezirk stehen die alten Wohnhäuser, Brunnen, die Bushaltestelle und die Vereinsanlage.

Abb.
41. - Ellesheim mit altem Dorfkern an 2 durchgehenden regionalen und
mehreren lokalen Kalenderlinien.
Sonnenbetrachtungen in Ellesheim
Vom grünen Punkt aus blickt man am 15.5. um 5.46
Uhr vorbei an Berresheim in Richtung Odesheim
Vom roten Punkt aus
blickt man am 22.6. um 5.22 Uhr Richtung Odesheim

Abb.
42 - Restaurierter Dorfbrunnen und Wartehütte für den
Öffentlichen Personennahverkehr.

Abb.
43 - Gemeinschaftshütte des Dorfgestaltungsvereins Ellesheim

Abb.
44 - Vierkanthof mit Brunnen

Abb.
45 - Fachwerkhaus Rehnstraße

Abb.
46 - Fachwerkhaus Werbefeldstraße

Abb.
47 - Foto vom westlichen Dorfeingang Ellesheim. Links liegt
Berresheim. Zu sehen ist der Sonnenaufgang am 15.5. um 5.46 Uhr über
der Steinbergsnück (S) und Odesheim (O). Die Sonne wandert von
links nach rechts. Anhand dieser Sonnenbeobachtung begann für
die Germanen das bäuerliche Wirtschaftsjahr. Die Einsaat konnte
beginnen.

Abb.
47 - Foto etwa vom Standort für die Beobachtung des
Sommersonnenwende am 22.6. um 5.22 Uhr. Hinter der mittleren Tanne
liegt die Steinbergsnück, unterhalb der eingezeichneten Sonne
sieht man Häuser Odesheims.

Abb.
49 - Kalenderlinien in Berresheim. Die 1.-Mai-Kalenderlinie (gelb)
aus Mutscheid durchschneidet den Ort Berresheim an innerörtlich
markanter Stelle. Befährt man den Ort von Hardtbrücke her,
so kommt man nach einer Linkskurve in den Kreuzungsbereich Steinweg -
Ecke Mittelstraße. Schräg gegenüber befindet sich ein
Bilderstock am Eingang der Straße Neuer Weg. Hier
am gelb markierten Punkt zweigt eine innerörtliche
Allerheiligenlinie (1.11.) ab. Weiter im östlichen
Ortsausgangsbereich findet sich ebenfalls eine Allerheiligenlinie
(orange), die für eine Sonnenaufgangsbetrachtung 1m 1.11. um
7.35 Uhr bei etwa 112 Grad steht. Östlich von Berresheim
verläuft von Südwesten kommend eine durchgängige
Sophienlinie (grün) bei 58 Grad (5.22 Uhr am 15.5.) in Richtung
Odesheim. Eine mögliche Kultstätte am Schnittpunkt dieser
Allerheiligen/Sophienlinie läßt sich nicht lokalisieren.

Abb.
50 - Blick auf die Steinbergsnück bei Odesheim. Der direkte
Blick auf Odesheim ist durch den Baumbestand verdeckt.

Abb.
51 - Bilderstock in Berresheim
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